LAGEBERICHT
Umsatz erreicht neuen Rekordwert
Auftragseingang und -stand deutlich erhöht
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Weltwirtschaft zeigte im Jahr 2006 eine solide Entwicklung, wobei in allen großen Wirtschaftsregionen ein gutes Wachstum zu verzeichnen war. In den USA entwickelte sich die Wirtschaft im Jahresverlauf differenziert. Das erste Halbjahr 2006 war von anhaltend starkem Wachstum, das vor allem auf hohen Konsumausgaben der Privatverbraucher sowie Investitionen der Industrie basierte, geprägt. Um möglichen daraus resultierenden inflationären Tendenzen vorzubeugen hat die amerikanische Notenbank FED (Federal Reserve Board) die Leitzinsen bis Ende 2006 – in mehreren Schritten – auf 5,25%, den höchsten Stand seit dem Jahr 2001, angehoben. Im zweiten Halbjahr 2006 schwächte sich das Wirtschaftswachstum jedoch ausgehend von einem rückläufigen Privatkonsum sowie fallenden Immobilienpreisen ab.
Die Wirtschaft des Euro-Raums dagegen entwickelte sich im 1. Halbjahr 2006 sehr schwach. Ab dem Sommer mehrten sich jedoch die Anzeichen für einen Wirtschaftsaufschwung, der vor allem von ansteigenden Investitionen der Industrie sowie von erhöhten Exporten getrieben wurde. Aus diesem Grund hat auch die europäische Zentralbank EZB die Leitzinsen im 2. Halbjahr 2006 in mehreren Schritten angehoben.
In Asien hielt das kräftige Wirtschaftswachstum auch in 2006 an, wobei sich insbesondere in China das starke Wachstum fortsetzte.
Quellen: OECD, WIFO, OeNB, RZB, Volksbank
Geschäftsentwicklung
Veränderung des Konsolidierungskreises/Akquisitionen
Die folgenden Unternehmen wurden 2006 erstmalig in den Konzernabschluss der Gruppe einbezogen:
- 100-%-Anteil an Andritz Pilão Equipamentos Ltda. (Spezialhersteller von geschweißten Refinermahlplatten und Stoffaufbereitungsanlagen)
- 100-%-Anteil an VA TECH HYDRO (einer der weltweit führenden Anbieter von elektromechanischen Ausrüstungen und Services für Wasserkraftwerke)
- 100-%-Anteil an CONTEC Decanter Inc. (Reparatur und Instandhaltung von Zentrifugen und Separatoren)
- 100-%-Anteil an BMH Wood Technology Oy (Technologien zur Hackschnitzeldickensortierung)
- 32-%-Anteil an Carbona Oy (Entwicklung von Technologien zur Holzvergasung)
- Restlicher 40-%-Anteil an den Geschäftsbereichen Papier und Nonwoven der Eduard Küsters Maschinenfabrik GmbH & Co. KG (Anbieter von modernsten Walz- und Kalandertechnologien für Papier und Nonwoven); Andritz besitzt nun 100% der Firma.
- Restlicher 38,5-%-Anteil an VA TECH ESCHER WYSS Flovel Ltd. (Mitglied der VA TECH HYDRO); Andritz besitzt nun 100% der Firma.
- 100-%-Anteil an der Sparte Streichanlagen von Bachofen + Meier (weltweiter Spezialist für Technologien und Systeme zur Papierbeschichtung)
Umsatz erreicht neuen Rekordwert
Aufgrund von starkem organischen Wachstum und der Erstkonsolidierung der VA TECH HYDRO ab 1. Juli 2006 stieg der Umsatz der Andritz-Gruppe um 55,3% auf 2.709,7 MEUR (2005: 1.744,3 MEUR). Alle Geschäftsbereiche der Gruppe konnten eine solide Umsatzentwicklung verzeichnen.
Die erstmals in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen trugen rund 449,2 MEUR zum Umsatz im Jahr 2006 bei, wovon rund 390,2 MEUR auf die VA TECH HYDRO entfielen. Das organische Umsatzwachstum der Andritz-Gruppe betrug rund 29,6 %.
Auftragseingang und -stand deutlich erhöht
Der Auftragseingang der Andritz-Gruppe entwickelte sich im Jahr 2006 erneut sehr zufrieden stellend und lag deutlich über dem sehr hohen Wert des Jahres 2005. Mit 2.891,0 MEUR stieg er im Vergleich zu 2005 (1.974,6 MEUR) um 46,4%. Vor allem die Geschäftsbereiche Zellstoff und Papier sowie Futtermittel und Biomasse konnten starke organische Zuwächse beim Auftragseingang erzielen. Der Auftragseingang des Geschäftsbereichs Walz- und Bandbehandlungsanlagen lag dagegen etwas unter dem sehr hohen Wert des Jahres 2005, das durch den Erhalt einiger größerer Aufträge für Edelstahlanlagen aus China geprägt war.
Der Auftragseingang der erstmalig konsolidierten Unternehmen betrug im Jahr 2006 rund 524,6 MEUR, wovon die VA TECH HYDRO rund 474,4 MEUR beitrug.
Der Auftragsstand der Andritz-Gruppe lag mit 3.397,1 MEUR per 31.12.2006 ebenfalls deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres (31.12.2005: 1.695,6 MEUR). Die VA TECH HYDRO trug rund 1.566,0 MEUR zum Auftragsstand der Gruppe per 31.12.2006 bei. Damit verfügt die Andritz-Gruppe über eine gute Visibilität hinsichtlich der Umsatzentwicklung in den kommenden Monaten.
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Umsatz nach Regionen 2006 (2005) in % |
Auftragseingang nach Regionen 2006 (2005) in % |
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Auftragseingang der Andritz-Gruppe (MEUR)
Deutlicher Ergebnisanstieg
Mit der Umsatzerhöhung stieg auch der Betriebserfolg (EBIT – Earnings before Interest and Taxes) auf 159,8 MEUR (2005: 106,7 MEUR). Die Rentabilität (EBIT-Marge) lag jedoch mit 5,9% geringfügig unter dem Wert des Jahres 2005 (6,1%). Dies ist vor allem auf die erstmalige Konsolidierung der VA TECH HYDRO, deren Rentabilität im 2. Halbjahr 2006 wie erwartet rund 3,7% betrug, sowie die etwas gesunkene Rentabilität des Geschäftsbereichs Zellstoff und Papier zurückzuführen.
Das Finanzergebnis lag mit 6,1 MEUR aufgrund des höheren durchschnittlichen Cash-Bestands sowie des im Jahresvergleich erhöhten Zinsniveaus deutlich über dem Vergleichswert 2005 (3,4 MEUR). Die Steuerquote betrug 26,9% und war damit praktisch unverändert im Vergleich zum Vorjahr (2005: 27,0%).
Das Konzernergebnis nach Abzug von Minderheitsanteilen betrug 118,5 MEUR (2005: 78,7 MEUR).
Vermögens- und Kapitalstruktur
Aufgrund der erstmaligen Konsolidierung der VA TECH HYDRO sowie der Begebung einer Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 200 MEUR im Juni 2006 erhöhte sich die Bilanzsumme der Andritz-Gruppe per 31.12.2006 deutlich auf 2.372,6 MEUR (31.12. 2005: 1.391,3 MEUR).
Die Nettoliquidität (Flüssige Mittel plus Wertpapiere des Umlaufvermögens abzüglich verzinslicher Finanzverbindlichkeiten) per 31.12.2006 betrug 365,7 MEUR und lag damit auf einem ähnlichen hohen Wert wie per Ultimo 2005 (31.12.2005: 383,9 MEUR).
Die Eigenkapitalquote per 31.12.2006 betrug 17,5% (31.12.2005: 23,6%). Dieser Rückgang ist auf die erstmalige Konsolidierung der VA TECH HYDRO sowie die begebene Unternehmensanleihe zurückzuführen.
Aktien und Aktionärsstruktur – Offenlegung gemäß § 243a UGB
Das Grundkapital der Andritz AG beträgt 94.510.000 Euro oder 13 Millionen Inhaberaktien (Stückaktien). Es gibt keine Beschränkungen, die Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffen. Rund 26% der Aktien befinden sich in Besitz der Certus Beteiligungs GmbH, deren Geschäftsführer Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender von Andritz, ist.
Es gibt derzeit kein genehmigtes Kapital. Aufgrund des Beschlusses der Hauptversammlung vom 30. März 2005 ist der Vorstand ermächtigt, zwischen 1. Oktober 2005 und 31. März 2007 bis zu 1.300.000 Aktien, das sind 10% des Grundkapitals der Andritz AG, zurückzuerwerben. Es gibt keine sich nicht unmittelbar aus dem Gesetz ergebenden Befugnisse für Mitglieder des Vorstands, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit, Aktien auszugeben oder zurückzukaufen.
Soweit der Gesellschaft bekannt, gibt es keine Inhaber von Aktien mit besonderen Kontrollrechten. Die Arbeitnehmer üben das Stimmrecht direkt aus. Es existieren darüber hinaus auch keine sich nicht unmittelbar aus dem Gesetz ergebenden Bestimmungen über die Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats und über die Änderung der Satzung der Gesellschaft.
Die Gesellschaft ist keine bedeutenden Vereinbarungen eingegangen, die bei einem Kontrollwechsel der Gesellschaft infolge eines Übernahmeangebots wirksam würden, sich ändern oder enden würden. Gemäß den Bedingungen der im Juni 2006 begebenen Andritz-Anleihe 2006-2013 ist jeder Inhaber der Teilschuldverschreibungen berechtigt, seine Teilschuldverschreibungen fällig zu stellen und sofortige Rückzahlung zum Nennbetrag zuzüglich der bis zum Tag der Rückzahlung aufgelaufenen Zinsen zu verlangen, falls ein Kontrollwechsel erfolgt und dieser Kontrollwechsel zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Fähigkeit der Emittentin führt, ihre Verpflichtungen aus den Teilschuldverschreibungen zu erfüllen. Es existieren keine Entschädigungsvereinbarungen zwischen der Gesellschaft und ihren Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern oder Arbeitnehmern für den Fall eines öffentlichen Übernahmeangebots.
Ergebniskennzahlen der Andritz-Gruppe
| MEUR | 2006 | 2005 | Veränderung in % |
| Umsatz | 2.709,7 | 1.744,3 | +55,3% |
| EBITDA | 194,2 | 130,9 | +48,4% |
| EBIT | 159,8 | 106,7 | +49,8% |
| Ergebnis vor Steuern | 165,9 | 110,0 | +50,8% |
| Konzernergebnis nach Steuern | 121,4 | 80,2 | +51,2% |
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Bilanzkennzahlen
| 2006 | 2005 | |
| Eigenkapitalquote (%) | 17,5 | 23,6 |
| Nettoliquidität (MEUR) | 365,7 | 383,9 |
| Capital employed1) (MEUR) | 209,7 | 21,1 |
| Gearing2) (%) | -88,2 | -116,8 |
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1) Capital employed: Nettoumlaufvermögen plus Anlagevermögen
2) Gearing: (zinstragende Finanzverbindlichkeiten abzüglich liquide Mittel abzüglich Wertpapiere des Umlaufvermögens) dividiert durch Eigenkapital inklusive Minderheitsanteile
Bilanzsumme 2006: 2.372,6 MEUR
Risikomanagement und Treasury
Als ein global tätiges Unternehmen, das eine Vielzahl verschiedenster Märkte und Kunden bedient, ist die Gruppe gewissen allgemeinen und branchenspezifischen Risiken ausgesetzt. Diese Risiken beziehen sich vor allem auf die von der Gruppe bedienten Industrien, die Geschäftstätigkeit der Gruppe sowie Großaufträge. Zur frühzeitigen Erkennung dieser Risiken hat Andritz ein bewährtes, konzernweites Kontroll- und Steuerungsmanagement implementiert, dessen Hauptaufgabe es ist, entstehende Risiken bereits in einem frühen Stadium zu identifizieren und rasch Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dieses System ist ein wesentlicher Bestandteil des aktiven Risikomanagements der Gruppe.
Die Überwachung und das Management von Finanzrisiken sind wichtige Bestandteile des gruppenweiten Controllings und Rechnungswesens von Andritz. Laufendes Controlling und regelmäßiges Berichtswesen sollen die Identifizierung von größeren Risiken zu einem sehr frühen Zeitpunkt und – sofern notwendig – die Einleitung von Gegenmaßnahmen sicherstellen.
Das Zahlungsausfallsrisiko wird für einen Großteil der Projekte durch Besicherung von Zahlungen durch Banken sowie durch Abschluss von Exportversicherungen reduziert. Das Risiko bei Lieferungen in als politisch riskant eingestufte Länder wird üblicherweise ebenfalls versichert. Zins- und Wechselkursrisiken werden durch die Verwendung von derivativen Finanzinstrumenten, vor allem Devisentermingeschäften und Swaps, begrenzt und gesteuert. Bei nicht in Euro getätigten Geschäften (hauptsächlich solche in US-Dollar, Pfund Sterling und Schwedischen Kronen) wird die Nettowährungsposition durch den Abschluss von Termingeschäften gesichert. Cashflow-Risiken werden durch das Cashmanagement-System der Gruppe, das alle Cash-Zu- und -Abflüsse der großen Andritz-Tochtergesellschaften kontrolliert, minimiert. Das Cashmanagement-System überwacht auch das zentrale Pooling dieser Aktivitäten, um die Zinseinkünfte zu optimieren.
Es gibt jedoch keine Garantie, dass diese Überwachungs- und Kontrollsysteme ausreichend wirksam sind.
Investitionen und Cashflow
Die Investitionen in materielle und immaterielle Vermögensgegenstände betrugen im Jahr 2006 45,7 MEUR (2005: 26,7 MEUR). Dieser Anstieg um 71,2% im Vergleich zu 2005 ist vor allem auf die VA TECH HYDRO zurückzuführen, auf die rund 7,7 MEUR der Investitionen in materielle und immaterielle Vermögensgegenstände der Gruppe im Jahr 2006 entfielen. Die Investitionen der Gruppe betrafen im Wesentlichen Modernisierungen und Erweiterungen von bestehenden Gebäuden und Produktionshallen einiger Niederlassungen sowie Software im Zuge der gruppenweiten Einführung von SAP.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug 143,1 MEUR und war damit niedriger als im Vorjahr (2005: 237,3 MEUR).
Cashflow-Kennzahlen
| 2006 | 2005 | |
| Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit | 143,1 | 237,3 |
| Investitionen1) | 45,7 | 26,7 |
| Free Cashflow2) | 100,1 | 213,2 |
| Free Cashflow je Aktie3) | 7,7 | 16,4 |
rep06-de-cashflow-kennzahlen.xls (Download size 20 KB)
1) Zugänge zu Sachanlagen und immateriellen Vermögensgegenständen
2) Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit abzüglich Investitionen plus Einzahlungen aus dem Verkauf von materiellen Vermögensgegenständen
3) Free Cashflow dividiert durch 13 Millionen Aktien (=Aktiengesamtzahl der Andritz AG)
Auswirkungen von Wechselkursänderungen
Wechselkursänderungen werden durch entsprechende Terminkontrakte abgesichert.
Nicht-finanzielle Leistungsindikatoren
Fertigung
Das Jahr 2006 war durch eine sehr hohe Kapazitätsauslastung in allen Andritz-Produktionsstätten geprägt. Zunehmende Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohmaterialen und Halbfertigprodukten konnten durch die enorme Flexibilität und die hohe Einsatzbereitschaft aller Mitarbeiter weitgehend kompensiert werden. Aufgrund des hohen Auftragsbestands wurde die Anzahl der eingesetzten Leiharbeiter bzw. die Menge der Zukäufe erhöht.
Zur weiteren Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Verkürzung der Lieferzeiten wurden Investitionen in die weitere Automatisierung der Produktionsabläufe getätigt. In den stark wachsenden Märkten China und Südamerika wurden Produktionskapazitäten neu errichtet bzw. bestehende erweitert.
Personalwesen
Laufende Schulung und Fortbildung aller Andritz-Mitarbeiter waren auch im Jahr 2006 die Hauptziele des Andritz-Personalwesens. Alle relevanten freien Positionen in der Andritz-Gruppe konnten mit hoch qualifizierten Kandidaten besetzt werden. Intensive Aktivitäten zur Personalbeschaffung sollen die zukünftigen Personalbedürfnisse und das interne Wachstum der Gruppe sicherstellen.
Umweltschutzbelange
Die wesentlichen Schwerpunkte im Rahmen der Umweltschutzaktivitäten der Andritz-Gruppe im Jahr 2006 betrafen die weitere Verringerung der Luftverschmutzung, die Schonung der natürlichen Ressourcen, die Minimierung des Stromverbrauchs, die weitere Verringerung der Lärmbelastung sowie die Schulung der neuen Mitarbeiter und Lehrlinge. Beispielsweise konnten am Standort Graz durch den Wechsel von Öl- auf Gasheizung eine Reduktion der Stickstoffemissionen um 70% und eine Verringerung der Kohlenmonoxidemissionen um 50% erreicht werden. Durch den Einbau verbesserter und effizienterer Beleuchtungssysteme in den Produktionshallen wurde 2006 eine Stromeinsparung von 25.000 kWh erzielt. In den meisten Niederlassungen wurden für neue Mitarbeiter und Lehrlinge Schulungen zu den Themen Arbeitssicherheit, Feuerschutz sowie Umweltschutz abgehalten.
Forschung und Entwicklung
Im Jahr 2006 investierte die Andritz-Gruppe rund 35,4 MEUR in Forschung und Entwicklung (2005: 27,1 MEUR). Über 300 Mitarbeiter in den Forschungszentren der Gruppe in den USA, Österreich, Finnland, der Schweiz und Frankreich arbeiten an der Entwicklung neuer Prozesse und Anlagen, um die Technologieführerschaft von Andritz weiter auszubauen.
Das Forschungs- und Entwicklungsprogramm der Divisionen des Geschäftsbereichs Zellstoff und Papier konzentrierte sich darauf, Technologien zu entwickeln, die die Kunden bei der Maximierung spezifischer Produktionsparameter bei gleichzeitiger Minimierung des Betriebsmittelverbrauchs unterstützen. Das Ziel sind höhere Effizienz und Erträge bei geringerem Rohmaterial- und Ressourceneinsatz sowie niedrigerem Energieverbrauch.
Andritz hat einen Schwerpunkt seiner Forschungs- und Entwicklungstätigkeit auf Maschinen und Anlagen für Zellstoffwerke mit Kapazitäten über 3.000 Tagestonnen gelegt. Neben den technologischen Fortschritten konnten auch Standardisierung, Anlagenerrichtung und Automation weiter verbessert werden. So wird die Zeit zwischen Montage und Vollbetrieb der Kundenanlagen verkürzt.
Der Forderung nach größtmöglicher Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit begegnet Andritz mit neuen Systemen, die für die effiziente Verarbeitung von Einjahrespflanzen und Faserstoff aus Plantagen adaptiert wurden, sowie durch Technologien mit gegenüber den Vorgängersystemen wesentlich reduziertem Energieverbrauch. Dazu zählt auch die wirksamere Nutzung von Biomasse als Energiequelle. Damit werden nicht nur die Kohlendioxidemissionen aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe deutlich gesenkt, sondern es können auch wesentlich mehr Zellstoffproduktionsschritte praktisch energieautark ablaufen.
Im Bereich Holzplatztechnik wurde intensiv an neuen Applikationen, die zur Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft beitragen, gearbeitet. Die RotaBarker™-Technologie, ein Trockenentrindungssystem zur Minimierung von Holzverlusten, wurde – nach erfolgreicher Anwendung für Eukalyptusholz – nun auch für den Einsatz in der Verarbeitung von Weichholzstämmen weiterentwickelt. Neue Arten von Entrindungszähnen werden derzeit getestet, um festzustellen, ob damit eine weitere Verbesserung der Entrindungsleistung möglich ist.
Die technologischen Entwicklungsarbeiten der Division Faserlinie konzentrieren sich auf die Senkung der Investitionskosten je Tonne produzierten Zellstoffs. Erreicht wird dies durch Vereinfachung, Steigerung der spezifischen Leistung, Standardisierung sowie Modularisierung der Prozesse. Auch die höhere Nachhaltigkeit der Zellstoffproduktionsprozesse ist weiterhin Gegenstand der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Jüngstes Ergebnis im Kocher- und Braunstoffbereich sind höhere Ausbeute und bessere Faserrückgewinnung aus unaufgeschlossenen Hackschnitzeln. Bei Harthölzern ist dank der verbesserten Ausbeute eine Senkung des Holzverbrauchs um bis zu 5% – bei gleicher Zellstoffproduktion – möglich.
Angesichts der ständig steigenden Energiekosten in der Papier- und Zellstoffproduktion hat der Bereich Laugenrückgewinnung ein Entwicklungsprogramm gestartet, mit dem Ziel, der Industrie moderne, mit Biomasse beheizte Kessel anzubieten. Das zunehmende Interesse am Einsatz von Biomasse in Drehrohröfen geht auf das hohe Ölpreisniveau zurück. Nach wie vor verbrauchen Drehrohröfen in Zellstoffwerken sehr viel fossile Energie. Die neue Generation von Hochleistungsrückgewinnungskesseln (High Energy Recovery Boilers –- HERB) wird derzeit gerade erfolgreich am Markt eingeführt, einige Anlagen wurden bereits in Betrieb genommen.
Ein relativ neues Produkt der Division Chemikalienrückgewinnung, der LMD-Filter™ zur Entwässerung von Kalkschlamm, wurde weiter verbessert, sodass der Natriumgehalt im Zulauf zum Drehrohrofen wesentlich reduziert werden konnte.
Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in der Faserstoffaufbereitung konzentriert sich darauf, die Systemleistung von Stoffaufbereitungssystemen zu erhöhen und den Energieverbrauch zu senken. Als Ergebnis der Arbeiten des letzten Jahres konnten neue Niedrig- und Hochkonsistenzauflöser für Frischfasern und Altpapierstoff sowie eine neue Serie von Niedrigkonsistenzrefinern auf dem Markt eingeführt werden.
Ein Verfahren zur Vorbehandlung von Hackschnitzeln vor der Refinerstufe, das RT-Verfahren, wurde auf dem Markt eingeführt. Die Arbeiten zum Einsatz von Niedrigkonsistenzrefinern als letzte Prozessstufe zur weiteren Reduzierung des Energieverbrauchs sowie zur Prozessvereinfachung wurden fortgesetzt. Im Hinblick auf nachhaltige Produktion setzen Papierhersteller, insbesondere in Ländern mit geringem Holzbestand, verstärkt auf einen Mix aus unterschiedlichen Holzsorten bzw. auf neue Sorten. Ein Teil der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten befasste sich daher mit Auswahl und Test solcher Faserarten (Eukalyptus, Akazie, Birke, Ahorn, Bagasse, Schilf und Kenaf). Neben dem Einsatz neuer Rohstoffarten lag ein Hauptaugenmerk auch auf der Reduzierung der Gesamtabwassermengen aus Zellstoffwerken.
Die technologischen Entwicklungsarbeiten im Bereich Zellstofftrocknungssysteme konzentrieren sich weiterhin auf die Senkung der Investitionskosten je Tonne Zellstoffproduktion. Hauptziel des Forschungs- und Entwicklungsprogramms ist die weitere Kapazitätserhöhung einer einzelnen Trocknungslinie von derzeit 3.500 auf über 4.000 Tagestonnen bzw. über 1.200.000 Jahrestonnen Zellstoff. Durch Prozessvereinfachungen und Optimierung der größten Energieverbraucher in der Linie (z.B. thermische Energie und Vakuumquellen) konnte der Energieverbrauch der gesamten Trocknungslinie gesenkt werden.
Im Bereich Tissueproduktion konzentrieren sich Forschung und Entwicklung darauf, kleinere, durchgehend standardisierte und fertig konstruierte Tissuemaschinenpakete anzubieten und den Energieverbrauch in der Produktion von weichem, saugfähigem Tissuepapier zu reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung moderner Lösungen für Umbauten von Karton- und Verpackungspapiermaschinen unter Einbeziehung der Pressen- und Kalandertechnik der neu erworbenen Firma Küsters und der Beschichtungstechnik von Bachofen + Meier.
Im Bereich Papierveredelung liegt der Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung auf moderner Kalandertechnik in Kombination mit der Schuhpresse und auf Streichanlagen für breitere und schnellere Papier- und Kartonmaschinen. Die Entwicklungsarbeit der Produktgruppe Vliesstoffe (Nonwoven) hat die Verbesserung der Bahnqualität für eine Vielzahl von Vliesstoffen zum Inhalt.
Der Geschäftsbereich Wasserkraft entwickelte eine Vielzahl moderner hydraulischer Konstruktionen. Im Bereich Francisturbinen war eine neue Generation von Laufradkonstruktionen der Schlüssel zu erfolgreichen Sanierungsprojekten. Für niedrige Fallhöhen wurden neue axiale Laufräder für bestehende Anlagen mit speziellen Gehäusekonstruktionen entwickelt. Die Optimierung der Wechselwirkung zwischen Laufrad und Gehäuse war der wichtigste Faktor erfolgreicher Umbauarbeiten an Peltonanlagen.
Zwischen den Hydraulikkonstruktionen kundenspezifischer Großpumpen zum Fördern von Wasser und den Konstruktionen für Pumpturbinen und Pumpen für Speicherkraftwerke wurden attraktive Synergiepotenziale festgestellt und bereits genutzt. Zur Vorort-Bewertung bestehender Wasserkraftanlagen hinsichtlich Mechanik und Elektrik wurde eine interaktive Forschungs- und Entwicklungsinitiative gestartet.
Das Großpumpen-Programm wurde um Francis-Pumpen erweitert. Im Entwicklungsprogramm sind zudem die Erweiterung und Verbesserung des Angebots an halbaxialen und axialen Pumpen, letztere als Rohrpumpen, vorgesehen. Weitere Schwerpunkte im Entwicklungsprogramm sind Materialien und Beschichtungen für verschleißgefährdete Bauteile, Wellenlagerung und Rotordynamik für Hauptkühlmittelpumpen.
Der Geschäftsbereich Walz- und Bandbehandlungsanlagen konzentrierte sich auf die Standardisierung und Optimierung von Schubbeizanlagen und Mischsäurerückgewinnungsanlagen für nitratfreie Beizprozesse für Edelstahl. Die Kombination des Rückgewinnungsprozesses für Mischsäure nach dem PYROMARS-Verfahren mit einem patentierten Recyclingsystem für Spülwässer stellt sowohl hinsichtlich Wirtschaftlichkeit als auch Umweltschutz einen Meilenstein in der Behandlung von Edelstahl dar.
Eine neue Walzenschleifmaschinenserie wurde ebenfalls entwickelt. Mit ihr können Walzen mit einem Durchmesser von bis zu 650 mm auf der Maschine unter Einhaltung engster Toleranzen geschliffen werden. Die Arbeiten zur Optimierung der Konstruktion schwerer Scheren und Mehrzweck-Richtanlagen für einen großen Materialdickenbereich wurden forciert.
Im Bereich der Stanz- und Umformpressen wurde eine neu entwickelte Baureihe vorgestellt. Mit dieser wird die gewohnte Qualität und Zuverlässigkeit des Produkts auf Basis einer verbesserten und konsequent modularisierten Plattform fortgesetzt.
Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit des Geschäftsbereichs Umwelt und Prozess betraf in erster Linie die Optimierung des Zentrifugenangebots zur weiteren Verbesserung der Leistung und/oder Reduzierung der Herstellungskosten. Weiterer Schwerpunkt war die Standardisierung der Filterpressenproduktfamilie zur Verkürzung der Lieferzeiten und Reduzierung der Kosten. Eine kombinierte Trocknungsanlage mit Band- und Fließbetttrockner wurde entwickelt und zum Patent angemeldet. Ziel ist es, die Prozesssynergien der beiden Systeme zu nutzen und damit optimale Energienutzung zu erreichen.
Aufgrund immer strenger werdender Auflagen hinsichtlich der Herstellung sicherer Futter- und Lebensmittel hat der Geschäftsbereich Futtermittel und Biomasse eine Produktserie auf den Markt gebracht, die eine kontrollierte Wärmebehandlung und Sterilisation der Futtermittel ermöglicht. Im Bereich Extrusion wurde eine neue Generation von Combizone-Trocknern aus gänzlich rostfreiem Stahl entwickelt. Diese vollständig korrosionsgeschützten und selbstreinigenden Trockner wurden speziell für die Kunden in den Bereichen Fisch- und Haustierfutteranlagen konstruiert. Im Bereich Biomasse werden derzeit Entwicklungsprojekte mit dem Ziel der Optimierung der Produktionsleistung von Holzpelletieranlagen durchgeführt.
Ausblick
Für das Jahr 2007 erwartet Andritz eine zufrieden stellende Entwicklung seiner relevanten Märkte. Unter Annahme einer weiterhin positiven Entwicklung der Weltwirtschaft sollte die Projektaktivität in allen Geschäftsbereichen auf einem soliden Niveau bleiben.
Im Bereich Zellstoff und Papier wird sich die Projektaktivität bei Neuanlagen vor allem auf Südamerika, Asien und Australien konzentrieren, wo derzeit einige Neu- und zahlreiche größere Modernisierungsprojekte evaluiert werden. In Europa und Nordamerika wird hingegen nur mit einigen wenigen Investitionen in Neuanlagen gerechnet. Die Projektaktivität in Bezug auf die Modernisierung und Erneuerung bestehender Anlagen sollte dagegen auf einem unverändert soliden Niveau bleiben.
Im Geschäftsbereich Wasserkraft wird – vor allem aufgrund des weltweit stetig steigenden Elektrizitätsbedarfs – eine unverändert gute Entwicklung der Projekttätigkeit erwartet, wobei die Wasserkraft als erneuerbarer Energieträger eine immer bedeutendere Rolle in der Stromerzeugung einnimmt. Während sich die Investitionstätigkeit in Asien und Südamerika vor allem auf Neuanlagen konzentrieren wird, ist in Nordamerika und Europa aufgrund der alternden installierten Basis eine Reihe von Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen zu erwarten. In Europa ist zur Gewährleistung der Netzstabilität außerdem eine steigende Nachfrage nach Pumpspeicherkraftwerken zu verzeichnen.
Im Geschäftsbereich Walz- und Bandbehandlungsanlagen wird sich die Investitionstätigkeit weiterhin vor allem auf China und Europa konzentrieren; aber auch in Nordamerika zeichnen sich einige Projekte ab. Die Projektaktivität wird sich zunehmend von Großanlagen hin zu Spezialproduktionsanlagen für Hochqualitätskohlenstoff- und -edelstahl verlagern. Erhöhte Projektaktivität wird für Indien erwartet.
Im Geschäftsbereich Umwelt und Prozess sollte sich die hohe Projekttätigkeit sowohl bei Schlammentwässerungs- als auch -trocknungsanlagen fortsetzen. Immer strengere Umweltschutzauflagen, insbesondere in Europa, werden auch in Zukunft die wichtigsten Wachstumstreiber bleiben. Im Bereich der Minenindustrie sollte die momentane weltweite Rohstoffknappheit, zum Beispiel von Kohle, Eisenerz und anderen Mineralien, zu einem weiteren Anstieg der Investitionen bei Anlagen zur Fest-/Flüssigtrennung führen.
Im Bereich Futtermittel und Biomasse wird mit einem Anhalten der hohen Projektaktivität für Holzpelletierungsanlagen, insbesondere in Nordamerika, Europa und Russland, gerechnet. Der Markt für Ausrüstungen für die Fischfutterindustrie sollte sich ebenso positiv entwickeln, wobei sowohl bei Süßwasser- als auch Meerwasserzucht eine hohe Investitionsaktivität für Neuanlagen als auch für die Erweiterung bestehender Anlagen erwartet wird.
Basierend auf dem hohen Auftragsstand von über 3,3 Milliarden Euro per Ende 2006 sowie der Vollkonsolidierung der VA TECH HYDRO rechnet die Andritz-Gruppe für 2007 mit einem Anstieg des Gruppenumsatzes auf rund 3 Milliarden Euro (2006: 2.709,7 MEUR). Mit der Umsatzerhöhung sollte auch das Konzernergebnis der Gruppe gegenüber 2006 steigen.
Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag
Es gab diesbezüglich keine nennenswerten Ereignisse.
Disclaimer
Bestimmte Aussagen in diesem Bericht sind „zukunftsgerichtete Aussagen". Diese Aussagen, welche die Worte „glauben", „beabsichtigen", „erwarten" und Begriffe ähnlicher Bedeutung enthalten, spiegeln die Ansichten und Erwartungen der Geschäftsleitung wider und unterliegen Risiken und Unsicherheiten, welche die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich beeinträchtigen können. Der Leser sollte daher nicht unangemessen auf diese zukunftsgerichteten Aussagen vertrauen. Die Gesellschaft ist nicht verpflichtet, das Ergebnis allfälliger Berichtigungen der hierin enthaltenen zukunftsgerichteten Aussagen zu veröffentlichen, außer dies ist nach anwendbarem Recht erforderlich.



