Vorbereitung auf die Zukunft - Schulkinder in Shankou

EINE BESSERE ZUKUNFT FÜR
UNSERE KINDER

Andritz-Kunde Stora Enso investiert in die
Zukunft der chinesischen Bevölkerung

Text:  Hannu Pesonen
Fotos:  Jarmo Hietaranta

Die Forstwirtschaft und die Holz verarbeitenden Industrien leisten einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Wohlstands weltweit. Den führenden Unternehmen dieser Branchen ist die nachhaltige Entwicklung ein echtes Anliegen – sie sind bestrebt, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen auf der einen Seite und ökologischer und sozialer Verantwortung auf der anderen Seite zu schaffen.

Stora Enso, mit Hauptsitz in Finnland und Standorten in über 40 Ländern, ist einer der weltweit führenden Hersteller von Papier, Verpackungsmaterial und Holzerzeugnissen. Der Nachhaltigkeit kommt bei Stora Enso ein ganz besonderer Stellenwert zu. Die Expansion in neue Wachstumsmärkte, wie China, stellt das Unternehmen vor besondere Herausforderungen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung. So waren zum Beispiel unabhängige Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen, wie sie vom Unternehmen üblicherweise bei jedem Projekt in Auftrag gegeben werden, in China bisher praktisch unbekannt.

Stora Enso ist einer der wichtigsten Kunden der Andritz-Gruppe. Andritz hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maschinen, Systeme und Prozesstechnologien für Anlagen von Stora Enso in Europa, Nord- und Südamerika und Asien geliefert. Wie Stora Enso ist auch die Andritz-Gruppe auf die Sicherheit sowie das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Mitarbeiter an Projekten und der Bevölkerung in den Regionen bedacht, in denen Projekte realisiert werden.

Der folgende Artikel, der aus dem Stora Enso-Kundenmagazin Tempus übernommen und adaptiert wurde, beleuchtet einige der Herausforderungen, denen Unternehmen in den neuen Wachstumsmärkten gegenüberstehen. Andritz ist von Stora Ensos Bekenntnis zur Nachhaltigkeit sehr beeindruckt und bedankt sich für die Möglichkeit, diesen Artikel zu veröffentlichen.

Shen Dexing und Liang Chaozheng bewohnen mit ihren Kindern ein einfaches Haus im kleinen Dorf Shen Wu. Im Wohnzimmer wacht Mao Tse Tung mit forschem Blick über das Leben der Familie. Alles nach guter alter Tradition also. Doch der erste Eindruck täuscht.

Auf der blank polierten Holzkommode steht ein neuer Fernseher. Leise summt ein elektrischer Ventilator, das Telefon am Wohnzimmertisch läutet schrill. Vor dem Haus steht Herrn Shens Lastwagen, Herr Shen selbst hantiert gerade geschäftig mit seinem Mobiltelefon. Das Gespräch dreht sich um Personalaufstockung, Gewinnmaximierung und die Anschaffung eines neuen Autos.

Sogar hier, im hintersten Winkel der autonomen Verwaltungsregion Guangxi in Südchina, sind die Zeichen einer sich in rasantem Tempo entwickelnden Marktwirtschaft unübersehbar. Mit seinem Aufstieg vom einfachen Bauern zum Unternehmer und Partner eines internationalen Konzerns wie Stora Enso konnte Shen den „chinesischen Traum“ für sich verwirklichen.

„Wir lebten lange Zeit vom Maniok-, Reis- und Erdnussanbau, hauptsächlich für den Eigenbedarf“, erinnert sich Shen. „Dann stiegen wir auf Exportprodukte, wie Zuckerrohr, um. Und schließlich kauften wir unseren ersten Traktor.“

Natürlich war dieser Traktor sehr klein, relativiert Shen rasch, aber er ermöglichte es der Familie, in den Verkauf von Holz für Bauzwecke einzusteigen. „Bald danach kauften wir einen Lastwagen, um Düngemittel und Bauholz transportieren zu können und gründeten unser eigenes Holzunternehmen. Heute beschäftigen wir je nach Saison zehn bis 20 Leute und stellen Arbeitskräfte für Stora Ensos Plantage in der Nähe von Shankou bereit.“

Es begann mit einer Plantage

Stora Enso begann 2002 mit der Errichtung einer 160.000 Hektar großen Industrieholz-Plantage in Guangxi. Während die Plantage wächst, bereitet sich das Unternehmen nun auf den Bau einer integrierten Zellstoff-, Papier- und Kartonfabrik vor.

„Wenn das Projekt planmäßig verläuft“, so Kari Tuomela, Geschäftsführer von Stora Enso Guangxi, „wird Stora Enso das führende Forstwirtschaftsunternehmen in der Region werden. Wir sind eine der wenigen internationalen Firmen, die eine Investition in dieser bis jetzt wenig beachteten Gegend Chinas gewagt haben.“

Bereits jetzt, in der Anfangsphase, beschäftigt Stora Enso 150 Mitarbeiter in der Region; zusätzlich sind indirekt 2.000 weitere Arbeiter über Subunternehmer, wie Shen, für das Projekt tätig. Sollte die Großanlage verwirklicht werden, so können nach Schätzungen des United Nations Development Programme (UNDP) wahrscheinlich Tausende Menschen direkt oder indirekt davon profitieren.

Soziale Herausforderungen

Laut LiYing Luan, Assistant Resident Representative der UNDP-Vertretung in China, ist für die Vereinten Nationen die Privatwirtschaft ein sehr wichtiger Partner im Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit. „In China wie auch im Rest der Welt sind Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung bereits Teil der Unternehmensphilosophie vieler Firmen“, meint sie. „Der privatwirtschaftliche Bereich spielt eine wichtige Rolle. Es liegt zunehmend im Interesse der Unternehmen, zu Lösungen beizutragen, statt Teil des Problems zu sein. "

Das Ziel der Nachhaltigkeit stellt Stora Enso tatsächlich vor enorme Herausforderungen, wie Kari Tuomela bestätigt. Daher startete Stora Enso letzten März gemeinsam mit dem UNDP ein vierjähriges Kooperationsprojekt zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung, des sozialen Wohlstands und der biologischen (Arten-)Vielfalt in der Region. Die Initiative entstand infolge der Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung, die das UNDP im Auftrag von Stora Enso für die Forstplantage durchgeführt hatte. Während derartige Verträglichkeitsstudien für Stora Enso selbstverständlich sind, war diese Vorgehensweise in China bisher unüblich.

Die Studie des UNDP förderte weder größere ökologische noch soziale Probleme zutage, die Stora Ensos Plantagenprojekt gefährden könnten. Frau Luan zufolge würde die Region von diesem Projekt wahrscheinlich in vielerlei Hinsicht profitieren – durch die Erhaltung der Artenvielfalt, mehr soziale Gerechtigkeit und einen höheren Lebensstandard durch Verbesserungen im Gesundheitswesen, in der Wasserversorgung, bei den Hygienebedingungen sowie bei Schulbildung und Fachausbildungen.

„Vor die größten Herausforderungen stellen uns die sozialen Hürden – nicht die ökologischen“, meint Kari Tuomela.  

Wachstum bringt Veränderung

Die Veränderungen, die Chinas rasantes Wachstum mit sich bringen, sind auch in den entlegenen und ruhigeren Regionen spürbar. So machen sich auch in Shankou, einer typischen chinesischen Kleinstadt, nach und nach Werbeplakate und internationale Markenartikel breit. Nur ein paar Stunden Fahrt auf der neuen und großzügig angelegten Autobahn entfernt liegt Nanning, eine Stadt mit fünf Millionen Einwohnern. Wo vor fünf Jahren noch Brachland lag, so weit das Auge reichte, ragen heute Wolkenkratzer in den Himmel. An jeder Ecke trifft man alte Bekannte: Colonel Sanders wirbt für Kentucky Fried Chicken; Nokia, Coca Cola, Audi und Toyota machen in bunten Farben auf sich aufmerksam.

Diese Produkte werden nicht nur beworben, sie sind auch äußerst begehrt. Jeder will reich sein. Jeder will ein Auto, einen Kühlschrank, ein Fernsehgerät. Und jeder will auch einen Laden mit der neuesten Elektronik und anderen aufregenden Produkten gleich vor der Haustür.

Opfer für die Kinder

Doch der Wohlstand hat auch seine Schattenseiten. Die Arbeitstage von Herrn Shen und Frau Liang sind lang. Freizeit gönnt sich Herr Shen eigentlich nur die Tage um das Frühlingsfest – das chinesische Neujahrsfest.

„Morgens bereite ich schon das Essen für die Kinder vor, falls wir zu Mittag nicht da sind“, so Frau Liang. Sie kocht in traditionellem chinesischen Stil: gedämpften Reis mit Gemüsestreifen und Fleisch, die in hausgemachtem Erdnussöl im Wok am offenen Feuer gebraten werden. Die Familie besitzt keine Elektrogeräte, obwohl sie seit vier Jahren Strom und seit kurzem Fließwasser haben.

„Ein Kühlschrank wäre schön, aber der würde mehr als 2.000 Yuan (ca. 250 US-Dollar) kosten“, sagt Frau Liang. „Wir investieren alles in die Ausbildung unserer Kinder. Unsere Kinder sollen eine gute Zukunft haben, das ist für uns das Wichtigste.“

Ihr Traum scheint wahr zu werden. Die beiden ältesten Töchter haben bereits sehr begehrte Arbeitsplätze in einer Computerfirma und einem TV-Vertriebsunternehmen gefunden. Der älteste Sohn ist 19 und bemüht sich um eine Ausbildung, die ihm einen gut bezahlten und hoch angesehenen Job verschaffen kann. Nur die Besten haben Aussicht auf einen Ausbildungsplatz an einer Top-Universität.

Ich wünsche ihm viel Glück. Seine Antwort in akzentfreiem Englisch spricht Bände: „Danke. Ich glaube an mich.“

Hannu Pesonen ist ein finnischer Journalist, der sich auf Reportagen über Entwicklungs- und Krisenregionen spezialisiert hat. Seine Arbeit führte ihn bereits in über 120 Länder. Er ist Autor von vier Büchern und seine Reportagen wurden in mehr als 20 Ländern veröffentlicht. Seine Beiträge erscheinen regelmäßig in Tempus, dem internationalen Kundenmagazin von Stora Enso, in dem auch dieser Artikel zum ersten Mal publiziert wurde.

Jarmo Hietaranta ist ein finnischer Fotograf, der bereits auf eine 30-jährige Karriere zurückblicken kann. Er hat für alle größeren finnischen Nachrichten- und Unterhaltungsmagazine gearbeitet und beschäftigt sich derzeit mit Videoproduktion und Fotografie. Zu seiner Arbeit zählen auch einige TV-Dokumentationen über internationale Ereignisse. Seine Fotografien waren in mehreren Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zu sehen.

Liang (rechts) und Shen (zweiter von rechts) mit drei ihrer sechs Kinder.
Mit seinem Aufstieg vom einfachen Bauern zum Unternehmer hat Shen den
chinesischen Traum für sich wahr gemacht.


 
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