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SINDUS HUMAN TECHNOLOGY ERGÄNZT ANDRITZ-VERFAHRENSTECHNOLOGIE

Im Juni 2007 kaufte Andritz 50 Prozent des brasilianischen Unternehmens Sindus Human Technology, das sich auf Instandhaltungsleistungen für die Zellstoff- und Papierindustrie sowie andere Industriezweige in Brasilien spezialisiert hat. Die globale Präsenz der Andritz-Gruppe bietet Sindus Andritz die Möglichkeit, seine Aktivitäten auf andere südamerikanische Länder und darüber hinaus auszudehnen. Andritz ist über Sindus nunmehr enger mit dem brasilianischen Zellstoff- und Papiermarkt verbunden.

Bescheidener Anfang

Im Jahr 1987 gründete Luis Binotto gemeinsam mit seinem Schwager und vier weiteren Technikern in einer leer stehenden Waschküche im Haus der Familie Binotto ein Technologieunternehmen. Anfangs befasste sich das kleine Team mit der Wartung komplexer Laboreinrichtungen. Das Geschäft entwickelte sich gut und so musste sich das Unternehmen bald größere Räumlichkeiten suchen. Der nächste Schritt war die Entwicklung eines Gasanalysegeräts, mit dem der TRS-Wert (TRS: Total Reduced Sulfur) in der Abluft überwacht werden kann. Heute ist Sindus der einzige Hersteller von TRS-Analysegeräten in Brasilien.

Outsourcing von Instandhaltung

Mit der Zeit begannen die Kunden bei Sindus um Unterstützung bei der Wartung der Analysegeräte anzufragen. Sindus nützte diese Gelegenheit, um in das Outsourcing von Instandhaltungsleistungen einzusteigen. Vom Outsourcing erwartet der Kunde, dass Sindus die gesamte Instandhaltung organisiert und abwickelt, d. h. Spezialisten anwirbt und schult, die Arbeiten plant und durchführt, Betriebsstörungen von Einrichtungen analysiert und Fortschrittsberichte liefert.

In den 1990er-Jahren war Aracruz Guaíba (früher Riocell) bei Porto Alegre ein Pionier im Outsourcing von Instandhaltung. 1994 beauftragte Riocell Sindus mit der Wartung sämtlicher Instrumentierungen und Elektroanlagen des Werks. Im Zuge dessen wurden Mitarbeiter von Riocell zu Mitarbeitern von Sindus. Sindus hatte damit den ersten Großauftrag an Land gezogen.

Instandhaltung ist für die meisten Produktionsbetriebe eine Nebensache. Sindus Andritz ist darauf spezialisiert und kann die Instandhaltung von Instrumenten und Steuerungen, Motoren und Ventilen daher effizienter durchführen als die Kunden selbst.

Enge Verbindung zur brasilianischen Industrie

Sindus Andritz hat derzeit große Instandhaltungsverträge laufen und arbeitet mit allen führenden Zellstoff- und Papierherstellern Brasiliens zusammen. Die Mitarbeiter von Sindus Andritz sind täglich in den betreuten Werken tätig und kennen daher die Wünsche und Prioritäten der Kunden sehr gut.

Sindus Andritz heute

Sindus Andritz beschäftigt rund 680 Mitarbeiter, 70 davon arbeiten in der Zentrale in Porto Alegre. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 32 Jahren. 130 Mitarbeiter haben einen Hochschulabschluss oder sind gerade dabei, ihr Studium abzuschließen; 50 Prozent davon sind Ingenieure. Die Techniker, die vor Ort arbeiten, haben üblicherweise eine mittlere Schulbildung und zusätzlich eine technische Fachausbildung.

Sindus Andritz-Mitarbeiter sind im Schnitt mehr als drei Jahre bei der Firma; es gibt auch viele Mitarbeiter, die schon über zehn Jahre dabei sind. Der Durchschnittswert ist hier etwas verzerrt, weil das Unternehmen jedes Jahr 50 bis 100 neue Mitarbeiter aufnimmt, um den Anstieg des Auftragsvolumens abdecken zu können. Drei Mitarbeiter, die als Lehrlinge eingetreten sind, haben mittlerweile Führungspositionen übernommen.

Aufträge aus der Papier- und Zellstoffindustrie machen rund 80 Prozent des Jahresumsatzes aus; der Rest entfällt auf andere Branchen wie die Stahlindustrie, die chemische Industrie und den Bergbau.

Kommunikation und Schulung über große Distanzen

Die Mitarbeiter von Sindus Andritz sind über ganz Brasilien verstreut, die Standorte liegen bis zu 5.000 km voneinander entfernt. Daher spielen moderne Technologien eine große Rolle in der Kommunikation. Regelmäßig finden Video-, Telefon- und Internetkonferenzen statt, in denen sich die Baustellenleiter austauschen.

Für die Mitarbeiter werden internetbasierte Schulungen durchgeführt. Die Mitarbeiter benötigen ein gutes Grundwissen in Mathematik und Physik und müssen mit der Elektronik und den Steuerungen einer modernen Zellstoff- und Papierfabrik bestens vertraut sein. Mitarbeiterschulungen, welche die Maximierung des Kundennutzens zum Lehrinhalt haben, werden vorrangig durchgeführt.

Die Mitarbeiter können von Arbeitsplätzen im ganzen Land aus auf neue browserbasierte Schulungsmodule zugreifen. In „Chat-Sitzungen“ können die Mitarbeiter online ihre Erfahrungen austauschen. Die Schulungen werden für einzelne Teilnehmer oder kleine Gruppen online via Telefon- oder Internetkonferenz durchgeführt.

Neue Tools

Das von Sindus Andritz entwickelte OPP-Softwarepaket (OPP: Optimization of Process Performance) erfasst Daten aus Prozessleitsystemen und programmierbaren Steuerungen und meldet, wenn ein Instrument gewartet werden muss. Außerdem ist es eine Hilfe bei der Optimierung der Steuerungen. Das Ergebnis sind bessere Wirkungsgrade der Anlagen und höhere Produktivität. Fünf Fabriken in Brasilien sind bereits mit OPP-Software ausgestattet.

Die Durchführung von Wartungsarbeiten über Internetverbindung ist eine weitere Neuheit. Im Rahmen eines Pilotprojekts in einem brasilianischen Werk stellte Sindus Andritz fest, dass 90 Prozent der Wartungsarbeiten an Automationssystemen über Fernsteuerung ausgeführt werden können. Der Kunde kann sich über eine Fernverbindung direkt an eine erfahrene Expertengruppe wenden, die damit laufend die technische Hilfestellung bei bestehenden Wartungsverträgen verbessern kann.

 
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