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INBETRIEBNAHME IN WELTREKORDZEIT

Interview mit Sergio Colvin,
Geschäftsführer von CMPC Celulosa

Berufliche Laufbahn

Ich habe an der Universität Chile Wirtschaftsingenieurwesen studiert und anschließend an der Universität Boston in den USA das Doktoratsstudium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Nach meiner Rückkehr nach Chile 1978 hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei CMPC. Als ich dort gefragt habe, was mein Aufgabengebiet sein würde, habe ich die Antwort bekommen: „Was möchten Sie denn für uns tun?”

Ich sagte, mein Ziel sei es, das Exportgeschäft des Unternehmens anzukurbeln und ein Netzwerk zu errichten, das CMPC zum Weltklasse-Exporteur von Spezialprodukten machen würde. Das haben wir dann auch tatsächlich erreicht.

1997 bin ich zum Geschäftsführer von CMPC Celulosa bestellt worden. Wir betreiben in Chile drei Kraftzellstoffwerke mit einer Produktionskapazität von zwei Millionen Tonnen pro Jahr.

Das Projekt Linie 2 für Santa Fe

Als wir das Werk Santa Fe im Jahr 1997 erworben haben, lag die Produktion bei 250.000 Jahrestonnen Eukalyptuszellstoff. Über die Jahre haben wir die Leistung dann kontinuierlich auf 370.000 Jahrestonnen gesteigert. Die Faserlinie wurde auf Lo-Solids®-Kochung von Andritz umgestellt, später wurde auch ein Diamondback®-Hackschnitzelsilo von Andritz errichtet.

2002 haben wir mit der Planung einer neuen Linie für Santa Fe begonnen. Unsere Ziele waren eine Steigerung der Kapazität, die Erzeugung eines erstklassigen, ausgereiften Produkts und ein besonders umweltfreundlicher Betrieb.

Im Jänner 2004 haben wir die Ausschreibungsunterlagen verschickt und bis September unsere Lieferantenauswahl getroffen. Davor haben wir Werke in Brasilien und Skandinavien besichtigt, denn wir wollten zwar die beste Technologie, die am Markt verfügbar ist, aber nichts Unerprobtes. Alle Technologien von Andritz, die für uns in Frage gekommen sind, konnten wir irgendwo auf der Welt schon in Betrieb sehen.

Was die Kochung betrifft, haben wir die wahrscheinlich beste Referenz von Andritz direkt hier im eigenen Werk, in der Linie 1. Wir haben daher die Zellstoffqualität, den Durchsatz und die Merkmale der Lo-Solids®-Kochung gekannt. Und unsere Mitarbeiter sind mit der Bedienung der Anlage immer sehr gut zurechtgekommen.

Wir haben vier der sechs EPC-Pakete an Andritz vergeben: Faserlinie, Rückgewinnungskessel, Zellstofftrocknung/Ballenlinie und Weißlaugenanlage. Andritz hat mit seinem Angebot große Flexibilität bewiesen und im Bereich Schnittstellen – bei Großprojekten immer ein kritischer Punkt – das Konfliktpotenzial auf ein Minimum reduziert. Andritz ist wirklich sehr flexibel auf unsere Bedürfnisse eingegangen.

Die Umsetzung des Projekts war auf 24 Monate angelegt. Am Höhepunkt der Bauphase hatten wir 8.000 Leute auf der Baustelle. Währenddessen ist der Produktionsbetrieb der Linie 1 voll weitergelaufen. Als sich die Bauarbeiten etwas verzögert haben, hat Andritz sehr professionell reagiert. Der stets lösungsorientierte Ansatz hat mich dabei am meisten beeindruckt.

Höchste Umwelt- und Sicherheitsstandards

Wir sind mit diesem Projekt auch im Rampenlicht des öffentlichen Interesses gestanden. Wegen zweier anderer Erweiterungsprojekte von chilenischen Zellstoffproduzenten sind kurz davor Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen von Zellstoff-Fabriken laut geworden. Während der Inbetriebnahme hatten wir 13 nationale und eine internationale Umweltverträglichkeitsprüfung zu bestehen. Heute können wir behaupten, dass die Anlagen und Verfahren im Werk Santa Fe zu den umweltfreundlichsten und sichersten der Welt gehören.

Inbetriebnahme in Rekordzeit

Im Zellstoffwerk Veracel in Brasilien wurde nach einer Inbetriebnahmezeit von 174 Tagen die volle Auslegungsproduktionsleistung – auf Basis eines rollierenden 30-Tage-Durchschnitts – erreicht. In Santa Fe haben wir nur 171 Tage gebraucht und damit den Rekord gebrochen. Um das zu erreichen, waren ausgezeichnete Anlagenqualität, eine gut geschulte Bedienungsmannschaft, fundiertes Inbetriebnahme-Know-how und wahrscheinlich auch ein bisschen Glück notwendig.

Wir haben diese Anlage ohne ein einziges Sicherheits- oder Umweltproblem errichtet und die volle Produktionsleistung in Rekordzeit erreicht. Heute betreiben wir das Werk mit vollkommener Transparenz gegenüber Behörden und unseren Kunden. Darauf können alle Beteiligten sehr stolz sein.

Gleichbleibend hohe Qualität

Stabilität ist ein wesentlicher Faktor in unserem Geschäft. Unsere Kunden erwarten, dass das Papier immer dieselbe Konsistenz und hohe Qualität aufweist, ganz gleich wie das Ausgangsmaterial beschaffen ist. In Linie 1 verarbeiten wir eine Mischung aus 70 Prozent Eukalyptus Globulus und 30 Prozent Eukalyptus Nitens. In Linie 2 ist es genau umgekehrt. Trotzdem hat der Zellstoff aus beiden Linien in den wesentlichen Punkten die gleichen Eigenschaften. Das ist wirklich beeindruckend.

Andritz steht uns auch weiterhin in technischen Fragen beratend zur Seite. Derzeit wird gerade ein längerfristiger Instandhaltungsplan mit uns ausgearbeitet. Und das ist genau, was wir erwarten. Wir müssen weiterhin zusammenarbeiten, um das Werk immer weiter zu optimieren. Das funktioniert nur im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft, und nicht in einer bloß vorübergehenden Zusammenarbeit.

 
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