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LAGEBERICHT

WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

Im Jahr 2008 war die Entwicklung der Weltwirtschaft durch die Finanzmarktkrise negativ beeinflusst. Die Wirtschaft in den USA litt unter der Krise des Subprime-Markts und dem daraus resultierenden Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarkts, was zu einer nachhaltigen Schwäche des Banken- und Finanzsystems führte. Infolgedessen gingen die Ausgaben der Privatverbraucher und die Unternehmensinvestitionen im Jahresverlauf stark zurück. Die US-Wirtschaft rutschte in die tiefste Rezession seit 1982. Um einem möglichen Kollaps des Finanzsystems entgegenzuwirken und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, senkte die amerikanische Notenbank FED (Federal Reserve Board) den Leitzinssatz in mehreren Schritten auf einen Bereich zwischen null und 0,25%, womit das tiefste Niveau aller Zeiten erreicht wurde.
Auch in Europa war die wirtschaftliche Entwicklung in hohem Maße von den finanziellen Turbulenzen und dem Rückgang der Konjunktur in den meisten europäischen Ländern betroffen. Der Privatkonsum ging stark zurück. Die exportorientierten europäischen Firmen hatten vor allem unter der Wirtschaftsschwäche der USA und Asiens zu leiden. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte dem Bankensystem beträchtliche Geldmittel zur Verfügung, um den Liquiditätsaustausch zwischen den Banken zu sichern, und senkte den Leitzinssatz auf 2,5%.
Auch in den meisten asiatischen Ländern hat sich die Wirtschaft abgeschwächt. Die japanische Wirtschaft rutschte in die Rezession, in China hat sich das Wachstum der meisten Industriebranchen durch rückläufige Exporte und nachlassende Binnennachfrage deutlich abgekühlt.
Quelle: OECD

GESCHÄFTSENTWICKLUNG

Anmerkung: Gemäß IAS 19.93A können versicherungsmathematische Gewinne und Verluste bei Abfertigungs- und Pensionsrückstellungen im Jahr ihrer Entstehung erfolgsneutral im Eigenkapital erfasst werden. Bisher wurden diese sofort in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Der Konzern macht nun vom Wahlrecht gemäß IAS 19.93A Gebrauch. Die Vorperioden wurden gemäß IAS 8 entsprechend angepasst. Dabei wurde für die Vergleichsperiode 2007 ein Betrag von TEUR 2.764 aus dem Personalaufwand und darauf entfallender latenter Steueraufwand in Höhe von TEUR 1.072 erfolgsneutral im Eigenkapital erfasst.
Zinsaufwendungen resultierend aus den Pensions- und Abfertigungsrückstellungen werden nun in der Konzern-Gewinn- und -Verlustrechnung unter dem „Zinsergebnis” erfasst. Für das Jahr 2007 wurde ein Betrag von TEUR 5.595 aus dem Personalaufwand ins Zinsergebnis umgegliedert.
Ferner wurde eine Korrektur gemäß IAS 8 retrospektiv durchgeführt. Die Bilanzpositionen „Aktive latente Steuern“ änderten sich per 31. Dezember 2007 von TEUR 56.982 auf TEUR 58.882, die „Verbindlichkeiten aus latenten Steuern“ von TEUR 99.604 auf TEUR 93.904 und die „Rückstellungen – kurzfristig“ von TEUR 210.592 auf TEUR 218.192. Weder im Jahr 2007 noch im Jahr 2008 ergaben sich dadurch Auswirkungen auf das Konzernergebnis.
Veränderung des Konsolidierungskreises/Akquisitionen
Die folgenden Unternehmen waren im Geschäftsjahr 2007 nicht oder nur teilweise im Konzernabschluss der ANDRITZ-GRUPPE enthalten:
Die erstmalige Einbeziehung der in 2007 und 2008 erworbenen Unternehmen/Geschäftsfelder erfolgte auf Basis vorläufiger Werte.
Anmerkung: Per 1. Jänner 2009 wurden die folgenden ANDRITZ-Geschäftsbereiche umbenannt:
Umsatz
Der Umsatz der ANDRITZ-GRUPPE betrug im Jahr 2008 3.609,8 MEUR und erhöhte sich damit um 10,0% gegenüber dem Vorjahr (2007: 3.282,5 MEUR). Insbesondere die Geschäftsbereiche HYDRO sowie METALS verzeichneten im Jahresvergleich deutliche Zuwachsraten. Das organische Wachstum der Gruppe betrug 2008 rund 2,2%.
Umsatz nach Regionen
2008 (2007) in %

Umsatz nach Geschäftsbereichen
2008 (2007) in %

Anteil Service-Umsatz am Gesamt-Umsatz des Geschäftsbereichs 2008 (2007) in %
Umsatz der ANDRITZ-GRUPPE 2004-2008
Auftragseingang und Auftragsstand
Der Auftragseingang der ANDRITZ-GRUPPE betrug im Jahr 2008 3.705,3 MEUR und lag damit nur geringfügig unter dem Rekordwert des Vorjahres (2007: 3.749,5 MEUR). Sehr positiv entwickelten sich die Geschäftsbereiche HYDRO, ENVIRONMENT & PROCESS sowie FEED & BIOFUEL, die im Jahresvergleich Zuwächse beim Auftragseingang erzielten. Der Auftragseingang des Geschäftsbereichs PULP & PAPER war dagegen im Jahresverlauf rückläufig; bedingt durch die globale Wirtschaftskrise kam es v.a. im 4. Quartal 2008 zu einem deutlichen Rückgang des Auftragseingangs.
Der Auftragsstand der ANDRITZ-GRUPPE betrug 4.277,4 MEUR per 31. 12. 2008, was einen Anstieg von 11,3% gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres bedeutet (31. 12. 2007: 3.843,3 MEUR). Während der Auftragsstand des Geschäftsbereichs PULP & PAPER rückläufig war, konnten die Geschäftsbereiche HYDRO und METALS ihre Auftragsstände im Jahresvergleich deutlich erhöhen.
Auftragseingang nach Regionen 2008 (2007) in %
Ergebnis
Das EBITA der ANDRITZ-GRUPPE betrug im Jahr 2008 233,2 MEUR. Gegenüber 2007 (209,7 MEUR) ist dies ein Anstieg um 11,2% und damit eine etwas stärkere Steigerung als beim Umsatz. Damit erhöhte sich die Rentabilität der Gruppe (EBITA-Marge) 2008 auf 6,5% (2007: 6,4%). Im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wurden Vorsorgen für Umstrukturierungen und kapazitive Anpassungen gemacht. Bereinigt um diese Maßnahmen hätte die EBITA-Marge für 2008 6,8% betragen. Insbesondere die Geschäftsbereiche HYDRO sowie ENVIRONMENT & PROCESS zeigten eine sehr gute Ergebnis- und Rentabilitätsentwicklung.
Das Finanzergebnis betrug -8,1 MEUR und lag damit unter dem Wert des Vorjahres (2007: -0,1 MEUR). Wesentlicher Grund dafür sind im Zusammenhang mit der globalen Finanzkrise erforderliche Wertberichtigungen von Wertpapierveranlagungen. Die Steuerquote betrug im Berichtsjahr 30,1% (2007: 31,4%).
Das Konzernergebnis nach Abzug von Minderheitsanteilen betrug 139,7 MEUR (2007: 134,5 MEUR).
Vermögens- und Kapitalstruktur
Die Bilanzsumme per 31. Dezember 2008 stieg auf 3.086,3 MEUR an (31. Dezember 2007: 2.509,4 MEUR). Dies ist v. a. auf die erstmalige Einbeziehung der Aktiva und Passiva der im Jahr 2008 erworbenen Firmen sowie die erfolgreiche Platzierung einer Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 150 MEUR im Februar 2008 zurückzuführen. Diese Anleihe (Laufzeit: sieben Jahre, jährlicher Fixkupon: 5,25%) ersetzt die Anfang Juni 2008 abgereifte 100-MEUR-Unternehmensanleihe (Laufzeit: sechs Jahre, jährlicher Fixkupon: 6,0%).
Die Eigenkapitalquote per 31. Dezember 2008 betrug 18,7% (31. Dezember 2007: 19,2%).
Die liquiden Mittel per 31. Dezember 2008 betrugen 821,8 MEUR; die Netto-Liquidität stieg auf 408,9 MEUR an und lag damit deutlich über dem Wert zum Ende des Vorjahres (31. Dezember 2007: 246,5 MEUR).
Aktiva
Passiva
Aktien und Aktionärsstruktur – Offenlegung gemäß § 243a UGB
Das Grundkapital der ANDRITZ AG per 31. Dezember 2008 betrug 104.000.000 Euro. Auf jede nennwertlose Aktie entfällt damit ein anteiliger Betrag am Grundkapital von 2,00 Euro.
Es bestehen keine Beschränkungen, welche die Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betreffen. Rund 29% der Aktien befinden sich in Besitz der Certus Beteiligungs-GmbH, deren Geschäftsführer Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der ANDRITZ AG, ist.
Es gibt derzeit kein genehmigtes Kapital. Aufgrund eines Beschlusses der Hauptversammlung vom 27. März 2008 ist der Vorstand ermächtigt, zwischen 1. Oktober 2008 und 31. März 2011 bis zu 10 Prozent des Grundkapitals der ANDRITZ AG zurückzuerwerben. Ende September 2008 hat der Vorstand der ANDRITZ AG beschlossen, von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen und Aktien zwischen 1. Oktober 2008 und 31. März 2011 zurückzukaufen. Es gibt keine sich nicht unmittelbar aus dem Gesetz ergebenden Befugnisse für Mitglieder des Vorstands, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit, Aktien auszugeben oder zurückzukaufen.
Soweit der Gesellschaft bekannt ist, gibt es keine Inhaber von Aktien mit besonderen Kontrollrechten. Die Arbeitnehmer üben das Stimmrecht direkt aus. Es existieren darüber hinaus auch keine sich nicht unmittelbar aus dem Gesetz ergebenden Bestimmungen über die Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats und über die Änderung der Satzung der Gesellschaft.
Die Gesellschaft ist keine bedeutenden Vereinbarungen eingegangen, die bei einem Kontrollwechsel der Gesellschaft infolge eines Übernahmeangebots wirksam, sich ändern oder enden würden. Gemäß den Bedingungen der im Juni 2006 begebenen ANDRITZ-Anleihe 2006–2013 bzw. der im Februar 2008 begebenen ANDRITZ-Anleihe 2008–2015 ist jeder Inhaber von Teilschuldverschreibungen berechtigt, seine Teilschuldverschreibungen fällig zu stellen und sofortige Rückzahlung zum Nennbetrag zuzüglich der bis zum Tag der Rückzahlung aufgelaufenen Zinsen zu verlangen, falls ein Kontrollwechsel durch einen neuen Großaktionär erfolgt, und dieser Kontrollwechsel zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Fähigkeit der Emittentin führt, ihre Verpflichtungen aus den Teilschuldverschreibungen zu erfüllen.
Es existieren Entschädigungsvereinbarungen zwischen der Gesellschaft und Mitgliedern des Vorstands im Falle eines Kontrollwechsels. Es gibt keine Entschädigungsvereinbarungen für die Aufsichtsratsmitglieder und Arbeitnehmer.
Finanz-Kennzahlen der ANDRITZ-GRUPPE
MEUR 2008 2007*  +/- (in %)
Umsatz 3.609,8 3.282,5 + 10,0
Umsatzrendite1) (%) 6,1 6,1 -
EBITDA 278,2 250,7 + 11,0
Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (EBIT) 218,5 200,9 + 8,8
Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT) 210,5 200,8 + 4,8
Konzernergebnis 147,0 137,8 + 6,7
*angepasst
1) Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern/Umsatz
Bilanzkennzahlen
  2008 2007*
Eigenkapitalquote2) (%) 18,7 19,2
Eigenkapitalrentabilität3) (%) 36,5 41,7
Gesamtkapitalrentabilität4) (%) 7,1 8,0
Nettoliquidität5) (MEUR) 408,9 246,5
Nettoverschuldung6) (MEUR) -242,9 -94,8
Nettoumlaufvermögen7) (MEUR) 22,7 99,1
Capital employed8) (MEUR) 406,8 405,6
Verschuldungsgrad9) (%) -42,1 -19,7
*angepasst
2) Summe Eigenkapital/Summe Bilanzsumme; 3) Ergebnis vor Ertragsteuern/Summe Eigenkapital; 4) Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern/Bilanzsumme; 5) Flüssige Mittel plus Wertpapiere des Umlaufvermögens plus Marktwert der Zinsswaps abzüglich Finanzverbindlichkeiten; 6) Verzinsliches Fremdkapital inklusive Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen und Jubiläumsgelder abzüglich Flüssige Mittel und Wertpapiere des Umlaufvermögens; 7) Langfristige Forderungen plus Kurzfristige Vermögenswerte (exklusive Wertpapiere des Umlaufvermögens und Flüssige Mittel) abzüglich Sonstige langfristige Verbindlichkeiten und Kurzfristige Verbindlichkeiten (exklusive Finanzverbindlichkeiten und Rückstellungen); 8) Nettoumlaufvermögen plus Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen; 9) Nettoverschuldung/Summe Eigenkapital
Risikomanagement
ANDRITZ verfügt über ein gruppenweites Risiko-Managementsystem, mit dem Risikopotenziale erkannt und Gegenmaßnahmen getroffen werden sollen. Dies ist ein wichtiges Element des aktiven Risikomanagements innerhalb der Gruppe.
Finanzielle Risiken
Überwachung und Management finanzieller Risiken sind integrale Bestandteile des Rechnungswesens und des Controllings innerhalb der gesamten ANDRITZ-GRUPPE. Kontinuierliches Controlling und regelmäßiges Reporting sollen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass größere Risiken früh erkannt und wenn notwendig Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass die Überwachungs- und Risikokontroll-Systeme effektiv genug sind.
Die wesentlichen Risiken für die Geschäftsentwicklung der ANDRITZ-GRUPPE im Jahr 2009 beziehen sich v.a. auf die Abhängigkeit der Gruppe von der allgemeinen Entwicklung der globalen Konjunktur und den von ihr bedienten Industrien, den Erhalt von Großaufträgen und die Erzielung der entsprechenden Umsatzerlöse aus dem hohen Auftragsstand. Die anhaltende weltweite Finanzkrise und der starke Konjunkturrückgang in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt stellen auch ein ernstes Risiko für die finanzielle Entwicklung der ANDRITZ-GRUPPE im Gesamtjahr 2009 dar. Die weltweite Wirtschaftsschwäche könnte zu Verzögerungen bei der Abwicklung bestehender Aufträge sowie zur Verzögerung oder Einstellung laufender Projekte führen. Die Stornierung bestehender Aufträge könnte auch den Auftragsstand der ANDRITZ-GRUPPE negativ beeinflussen, was sich negativ auf die Kapazitätsauslastung der Fertigungseinheiten der Gruppe auswirken könnte.
Das Zahlungsausfallsrisiko durch den Kunden wird bei einem Großteil der Aufträge durch Bankgarantien und Exportversicherungen reduziert. Das Risiko für Lieferungen in als politisch mittel bis sehr riskant eingestufte Länder wird üblicherweise ebenfalls zu einem großen Teil versichert. Zins- und Wechselkursrisiken werden durch die Verwendung von derivativen Finanzinstrumenten – v.a. Devisentermingeschäften und Swaps – verringert und gesteuert. Bei nicht in Euro getätigten Geschäften (hauptsächlich solchen in US-Dollar, Pfund Sterling und Schwedischen Kronen) wird die Nettowährungsposition zumeist durch den Abschluss von Termingeschäften gesichert. Cashflow-Risiken werden über monatliche Cashflow-Berichte überwacht.
Um die finanziellen Risiken weiter zu reduzieren und zur besseren Überwachung, Kontrolle und Bewertung der Finanz- und Liquiditätsposition verbessert die ANDRITZ-GRUPPE laufend ihre Treasury-Richtlinien und -Informationssysteme.
Die ANDRITZ-GRUPPE ist hinsichtlich der Liquidität sehr gut positioniert und verfügt über ausreichende Liquiditätsreserven sowie einen gesicherten Zugang zu Liquidität. Die Gruppe vermeidet es, von einer einzigen Bank oder von nur wenigen Banken abhängig zu sein. Zur Sicherung der Unabhängigkeit erhält keine Bank mehr als ein genau festgelegtes Geschäftsvolumen bei allen wichtigen Produkten (Finanzmittelbestand, Finanzverbindlichkeiten, Finanzanlagevermögen, Garantien und Derivate). Geld wird in risikoarme Finanzanlagen investiert, wie zum Beispiel Staatsanleihen, Geldmarktfonds oder Termin- und Taggelder. Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass die Überwachungs- und Risikokontroll-Systeme effektiv genug sind. Durch die Finanzmarktkrise und deren Auswirkungen erhöht sich zudem das Ausfallsrisiko einzelner Emittenten der Wertpapiere bzw. steigt das Kursrisiko. Bisher liquide Veranlagungen sind zeitweise nicht oder nur eingeschränkt handelbar.
Nicht-finanzielle Risiken
Im Bereich der Fertigung sind exakte Planung, hoher Einsatz und Flexibilität seitens der Mitarbeiter wesentliche Erfolgsfaktoren, um kurze Auftragsdurchlaufzeiten und hohe Termintreue zu garantieren. ANDRITZ setzt intern auf flexible Arbeitszeitmodelle und einen hohen Anteil an Zeitarbeitern, um zyklischen Auslastungsschwankungen und extremen Auftragsspitzen zu begegnen. Weiters wird durch effizientes Lieferantenmanagement die Abwicklung des Zukaufsvolumens kontinuierlich verbessert und der Lieferantenpool laufend um qualifizierte Unternehmen erweitert.
Die ANDRITZ-Fertigungsstrategie basiert auf Eigenfertigung sowie Zukauf von Fertigungsleistungen. Damit können Auslastungsspitzen besser ausgeglichen werden und die vorhandenen eigenen Fertigungskapazitäten optimal ausgelastet werden. Gemäß dieser „Make-or-Buy“-Strategie werden prozessrelevante Schlüsselkomponenten für Anlagen und Produkte von ANDRITZ meist in eigenen Produktionsstätten gefertigt und montiert. Einfache Komponenten werden dagegen bei qualifizierten Lieferanten beschafft, deren Qualität und Termintreue laufend kontrolliert und überwacht wird.
Im Bereich Personal konnte ANDRITZ durch gezielte Maßnahmen in den vergangenen Jahren sein Image als attraktiver Arbeitgeber weiter stärken. Interessante Karrieremöglichkeiten, eine leistungsorientierte Entlohnung und fokussierte Management-Trainingsprogramme sind wesentliche Voraussetzungen, dass ANDRITZ bestens ausgebildete und hoch qualifizierte Mitarbeiter anzieht. Hohe Qualitätsstandards im Auswahlverfahren – mehrere Bewerbungsgespräche mit unterschiedlichen Fach- und Führungskräften – gewährleisten, dass die am besten geeigneten Kandidaten eingestellt werden.
Fluktuationen in Führungspositionen werden durch eine gruppenweite Nachfolgeplanung verhindert. Die Vorbereitung und Auswahl von bestmöglichen internen Kandidaten stellt eine kontinuierliche Nachfolge für globale Schlüsselpositionen sicher.
Auslastungsschwankungen können gruppenweit durch die Zuteilung von Aufträgen auf die einzelnen globalen Standorte sowie lokal durch den Einsatz von Leiharbeitern in ihren Auswirkungen gemildert werden.
Investitionen und Cashflow
Die Investitionen in materielle und immaterielle Vermögensgegenstände betrugen 2008 69,7 MEUR (2007: 57,0 MEUR) und betrafen im Wesentlichen Modernisierungen von Gebäuden und Werkstätten.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug 255,0 MEUR und war damit deutlich höher als im Vorjahr (2007: 33,1 MEUR).
MEUR 2008 2007
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 255,0 33,1
Investitionen1) 69,7 57,0
Free Cashflow2) 187,5 -19,6
Free Cashflow je Aktie3) (EUR) 3,6 -0,4
1) Zugänge zu Immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen; 2) Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit abzüglich Investitionen plus Einzahlungen aus dem Verkauf von Immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen; 3) Free Cashflow/Aktiengesamtzahl
Auswirkungen von Wechselkursänderungen
Wechselkursänderungen werden durch entsprechende Terminkontrakte abgesichert.
Nicht-finanzielle Leistungsindikatoren
Fertigung
Zur Bewältigung und zeitkonformen Abarbeitung des hohen Auftragsstands per Ultimo 2007 wurde im 1. Halbjahr 2008 der Fertigungszukauf – neben der vollen Nutzung der installierten gruppenweiten Fertigungskapazitäten – ausgeweitet. Im Gleichschritt mit der weltweiten Konjunkturschwäche kam es im 2. Halbjahr 2008 zu rückläufigen Auslastungen in einzelnen Produktbereichen, insbesondere im Bereich PULP & PAPER, bzw. zu einer Steigerung des Auftragsstands im Bereich HYDRO. Zur Minimierung des Risikos einer nachhaltigen Unterauslastung der gruppenweiten Fertigungskapazitäten wurde über die letzten Jahre ein optimiertes Zyklizitätsmanagement implementiert, das die Fertigungseinheiten der Gruppe effizient an veränderte Rahmenbedingungen und Auslastungen anpasst. Insbesondere durch die im Geschäftsjahr getätigten Akquisitionen der Wasserkraftaktivitäten von GE Energy konnten die Fertigungskapazitäten für den HYDRO-Bereich erweitert werden.
Bei den Investitionen lag der Schwerpunkt auf neuen Fertigungstechnologien, Automatisierung, Kapazitätsanpassungen an Engpassprozessen, Aufbau von Kapazitäten in den neuen Märkten Indien, China und Brasilien sowie auf der gezielten Erweiterung der Wertschöpfungskette.
Personalwesen
Die Anzahl der Mitarbeiter der ANDRITZ-GRUPPE betrug Ende des Jahres 2008 13.707, was eine Erhöhung um 14,1% gegenüber 2007 (12.016 Mitarbeiter) bedeutet. Dieser Zuwachs resultierte zum einen aus den getätigten Unternehmens-Akquisitionen sowie zum anderen aus der Aufnahme hochqualifizierter Facharbeiter und Ingenieure in Europa und aus dem verstärkten Aufbau von Personalkapazitäten in den aufstrebenden Märkten, um die lokale Präsenz zu stärken und den Zugang zu kostengünstiger Produktion zu sichern. Im Berichtszeitraum wurde die neue Human Resources-Gruppenfunktion implementiert und damit ein wichtiger Beitrag zur gruppenweiten Koordination und Planung des Personalwesens geleistet. Die neue Funktion ist verantwortlich für eine reibungslose Nachbesetzung von Schlüsselpositionen sowie die Schaffung attraktiver Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten für zukünftige Führungskräfte.
Umweltschutzbelange
Die ANDRITZ AG, Standort Graz, erhielt 2008 erneut die Ökoprofit-Auszeichnung der Stadt Graz für herausragende Leistungen bei Umweltstandards und -maßnahmen. Erstmals wurde ANDRITZ die Auszeichnung in Gold verliehen, weil ANDRITZ neben den erreichten Ergebnissen im Bereich Umweltschutz auch umweltschutzrelevante Maßnahmen gemeinsam mit Behörden und Anrainern erarbeitete. So wurde zum Beispiel ein neues Verkehrskonzept für den Standort Graz in enger Abstimmung mit Behörden und Anrainern erarbeitet und umgesetzt. Damit wurden maßgebliche Verbesserungen bei Schall- und Abgasemissionen erzielt und insgesamt über 20.000 km weniger gefahren sowie 15 Tonnen CO2 eingespart. Durch zahlreiche Maßnahmen wurden Energieverbrauch und CO2-Emissionen des Werks deutlich reduziert. Durch Installation eines neuen Gas-Glühofens im Werk Graz – der Ofen wurde von ANDRITZ Maerz geliefert – konnten bereits im ersten halben Jahr seit der Inbetriebnahme rund 45.000 kWh Strom bzw. über neun Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht einer Reduzierung des Energieverbrauchs um über 30%. Weitere wesentliche Energie-Einsparungen wurden durch Installation einer bedarfsorientierten Steuerung für Kompressoren, Maßnahmen zur Reduzierung des Kaltlufteintrags bei den Toranlagen und den Einbau neuer Hallenbeleuchtung erzielt. In mehreren Informationsveranstaltungen wurden Mitarbeiter, insbesondere die Abfallverantwortlichen, zum Thema Abfallwirtschaft und Brandverhütung geschult. Das Abfallaufkommen konnte 2008 gegenüber dem Vorjahr um über 15% reduziert werden.

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

Im Jahr 2008 investierte die ANDRITZ-GRUPPE rund 51,2 MEUR in Forschung und Entwicklung (2007: 45,4 MEUR). Einschließlich der auftragsbezogenen Entwicklungsarbeiten wurden rund 3% des Umsatzes für die Entwicklung neuer Verfahren und Produkte aufgewendet. In den Forschungszentren der Gruppe in Österreich, Finnland, Frankreich, der Schweiz und den USA arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter an der Entwicklung neuer Prozesse und Anlagen, um die Technologieführerschaft von ANDRITZ weiter auszubauen.
Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Geschäftsbereiche im Detail:
Ein Teil der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten des Geschäftsbereichs HYDRO konzentrierte sich auf die hydraulische Entwicklung bei Niederdruck-Francis-Turbinen. Mithilfe intensiver CFD-Entwicklung (CFD: Computational Fluid Dynamics) und Modellversuchen wurde eine neue Hydraulik für die Anlage Bemposta (Höhe: 63,3 m, Leistung: 193 MW), Portugal, entwickelt.
Im Bereich der Hochdruck-Francis-Turbinen wurde für das Projekt Karcham Wangtoo (Höhe: 300 m, Leistung: 255 MW), Indien, eine neue Hydraulik entwickelt, um eine vollständige Beschichtung der Schaufelkanäle zum Schutz vor Sandabrasion zu ermöglichen. Wegen des hohen Sandgehalts im Wasser dieser Anlage würden unbeschichtete Laufräder aus rostfreiem Stahl innerhalb kürzester Zeit stark abradiert werden – mithilfe der neuen Beschichtung kann die Lebensdauer eines Laufrads deutlich erhöht werden.
Ein Schwerpunkt der Generatorenentwicklung war im Berichtsjahr 2008 die Optimierung von Vertikal-Generatoren; für Generatoren mit relativ kleiner Leistung wurde die Entwicklung eines parametrierten Designsystems begonnen, um die dafür notwendigen Optimierungen durchführen zu können.
Ebenfalls mit dem Ziel der Optimierung wurde für einen spezifischen Generatoren-Typ ein Konzept zur elastischen Ankoppelung der Blechkette am Rotor erstellt, wodurch wesentliche Kosteneinsparungen möglich sind.
Basierend auf einem umfassenden Wertanalyseprojekt für Turbogeneratoren wurde 2008 ein weiterer Prototyp der neuen Serie erfolgreich getestet. Umfassende Echtzeit-Aufzeichnungen von ca. 1.100 Mess-Stellen ermöglichten eine genaue Kalibrierung der Finiten-Elemente- und CFD-Modelle. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse konnten für einen weiteren Prototypen dieser neuen Turbogenerator-Serie bereits implementiert werden.
Wie für Axialventilatoren in Hydrogeneratoren wurden auch für Radialventilatoren parametrisierte CFD-Modelle entwickelt, die eine relativ schnelle und zuverlässige Kennlinienberechnung ermöglichen. Umfangreiche CFD-Analysen zur Frischölzufuhr bei Lagern führten zu Effizienzsteigerungen. Ein Design für federunterstützte Lager für große Generatoren erweiterte das Spektrum möglicher Konstruktionen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten betraf die Automation für Wasserkraftwerke. Nach Optimierungen von 250 SCALA, dem führenden SCADA-System für Steuerwarten, Bedienstationen und Kleinstdisplays, wurde 2008 ein umfangreiches Entwicklungsvorhaben im obersten Leistungsbereich in Angriff genommen. Ziel ist eine umfassende system- und sicherheitstechnische Lösung für zentrale Leitwarten von Kraftwerks-Gruppen und -Kaskaden. Darüber hinaus erfolgt eine hydroenergetische Gesamtoptimierung von Wasserkraftwerks-Kaskaden auf Basis mathematischer Modelle. Diese Automatisierungsentwicklungen sind notwendig geworden, weil durch die Liberalisierung des Energiemarkts und durch Fusionen von Energieerzeugungsunternehmen immer mehr räumlich weit verteilte Wasserkraftwerksparks mit einer Vielzahl einzelner Kraftwerke entstehen.
Ein Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung bei Großpumpen lag im Berichtszeitraum in der hydraulischen Weiterentwicklung von bestehenden hydraulischen Designs von Laufrädern und Leitapparaten. Dadurch konnten signifikante Verbesserungen des Wirkungsgrads und Kavitationsverhaltens erzielt werden. Weiters wurde ein Entwicklungsprojekt für eine Betonspiralpumpe mit hoher spezifischer Drehzahl für große Fördermengen gestartet und erfolgreich abgeschlossen. Im Bereich Kreiselpumpen lag der Entwicklungsschwerpunkt bei der Verbesserung der Wirkungsgrade der bestehenden Produktserien, um die Energiekosten bei den Endverbrauchern weiter senken zu können.
Der Geschäftsbereich PULP & PAPER fokussiert seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeit sowohl auf Neuanlagen als auch Anlagen, die bereits in Betrieb sind. Schwerpunkte sind die Optimierung des Energie- und Rohmaterial-Einsatzes sowie des Abfall-Managements unter Berücksichtigung der Gesamtanlage, die Verbesserung bestehender Produkte mit Hinblick auf höhere Energieeffizienz und Zuverlässigkeit sowie die Entwicklung neuer Produkte, die auf eine weitere Maximierung der Produktionsleistung bei gleichzeitiger Senkung der Investitions- und Betriebskosten abzielen.
ANDRITZ-Technologien, die den Trend zur Nachhaltigkeit unterstützen, verringern den Verbrauch von Energie, Chemikalien, Wasser und Fasern deutlich. Beispiele dafür sind die Entwicklung neuer Systeme, die sowohl Holz- als auch Plantagen-Fasern noch effizienter verarbeiten, und Technologien, mit denen die Energieeffizienz maximiert wird. Auch die möglichst effektive Nutzung von Biomasse als Energiequelle bildet einen Schwerpunkt der Entwicklungstätigkeit. Für sämtliche Prozesse der Zellstoff- und Papier-Herstellung werden Steuerungssysteme weiterentwickelt und getestet.
Angesichts der weltweiten Bestrebungen zum Schutz der Umwelt und einer noch stärkeren Nutzung erneuerbarer Ressourcen bildet die Weiterentwicklung bestehender Holzplatz-Systeme für Transport, Aufbereitung und effiziente Verarbeitung von Biomasse einen Schwerpunkt der Entwicklungstätigkeit der Division Holzplatztechnik.
Die technologischen Entwicklungsarbeiten der Division Faserlinie konzentrieren sich auf die Senkung der Investitionskosten pro produzierter Tonne Zellstoff. Erreicht wird dies durch Prozess-Vereinfachung, Steigerung der Leistung pro Einheit, Standardisierung und Modularisierung. Faserlinien mit einer Kapazität von 5.000Tagestonnen in einer Linie können bereits angeboten werden. Der Chemikalienbedarf für Kocherei und Bleiche wurde reduziert, wodurch sich die Umweltverträglichkeit dieser Anlagen weiter verbessert hat; ebenso wurde der Frischwasserverbrauch verringert. Prozess-Vereinfachungen und verbesserte Wirkungsgrade der Anlagen wirken sich auch positiv auf den Energieverbrauch aus.
Die Division Chemikalienrückgewinnung konzentriert sich bei der Weiterentwicklung ihrer Technologien auf die Förderung ökologischer Nachhaltigkeit und die Kapazitätssteigerung in Zellstoff-Fabriken. Ein neuer Drehrohrofen mit einer Kapazität von mehr als 1.000 Tagestonnen wurde in Betrieb gesetzt. Die Kunden stehen dem Einsatz von Zentrifugen zur Entwässerung und Wäsche von Grünlaugen-Rückständen zunehmend positiv gegenüber; dadurch müssen weniger Rückstände deponiert werden. Die neue Lime Flash™-Technologie für Drehrohröfen ermöglicht eine deutliche Steigerung des Durchsatzes bestehender LMD-Drehrohröfen.
Steigende Energiekosten haben für die Division Laugenrückgewinnung zu einem Anstieg der Nachfrage nach modernen, mit Biomasse beheizten Kraftkesseln geführt, die sich für die Verfeuerung von Rinde, Holzabfällen und schnell wachsenden, kleinen Bäumen eignen. Die erste nach der Carbona-Technologie arbeitende Biomasse-Gasifizierungsanlage zur Herstellung von Heizgas läuft erfolgreich in Dänemark; Carbona, ein Tochterunternehmen von ANDRITZ, ist Spezialist für Gasifizierungssysteme. Gasifizierungslösungen zur Produktion von Gas als Ersatzbrennstoff für Öl oder Erdgas in Drehrohröfen sind bereits marktreif. Die Entwicklungsarbeiten an unter Druck arbeitenden Gasifizierungsanlagen zur Erzeugung flüssiger Biokraftstoffe schreiten voran. Weitere Entwicklungsprojekte im Gasifizierungsbereich betreffen die Verbesserung der Dampfparameter in Rückgewinnungskesseln und integrierte Kombi-Gasifizierungsanlagen zur Erzielung eines besseren elektrischen Wirkungsgrads. Mit Rückgewinnungskesseln des Typs HERB (HERB: High Energy Recovery Boiler) können Zellstoff-Fabriken die Stromproduktion aus Schwarzlauge maximieren. Mit zunehmender Kreislaufschließung in den Zellstoff-Fabriken zur Reduzierung von Emissionen und Steigerung der Stromproduktion gewinnt die Chlorid-Abscheidung an Bedeutung. Das von ANDRITZ PULP & PAPER entwickelte Chlorid-Abscheideverfahren stellt eine kostengünstige Alternative zum Flugasche-Rekristallisationsverfahren dar. Beim Eindampfprozess konzentrieren sich die technologischen Entwicklungsarbeiten weiterhin auf hocheffiziente Anlagen, die wenig oder gar kein Abwasser produzieren. Mit diesen umweltfreundlichen Eindampfern und zugehörigen Technologien werden Energieverbrauch und Rohstoffverluste reduziert.
Hauptziel der Division Zellstoff-Trocknungssysteme ist die Erhöhung der Produktionskapazität einer einzelnen Trocknungslinie auf 600Tagestonnen pro Meter Arbeitsbreite, um die steigenden Anforderungen der Zellstoff-Fabriken – es wird eine Jahresproduktion von 1,5 Millionen Tonnen oder mehr in einer Linie angestrebt – auch zukünftig abdecken zu können. Dies erfordert neue Formations- und Press-Konzepte, verbesserten Wärmeübergang im Schwebebahntrockner und Betriebsgeschwindigkeiten von mehr als 300m/min bei Querschneider und Formatableger. Bei den Verpackungslinien liegt der Schwerpunkt auf der Steigerung der Produktionsleistung und Verfügbarkeit.
Ein neues Produkt der Tissue-Gruppe der Division Papier-Maschinen ist der Kreppzylinder aus geschweißtem Stahl (PrimeDry Steel), der höhere Leistung sowie bessere Betriebssicherheit als konventionelle Zylinder aus Guss-Eisen bietet. Die Produktgruppe Lufttechnik befasst sich insbesondere mit der Entwicklung energieeffizienter Ausrüstungen. Mit der neuen Wärmerückgewinnungsstufe für die Abluft aus Yankee-Trockenhauben (ReEvaporation) wird Kondensat in einem Wärmetauscher unter Verwendung von Abluft verdampft. So können bis zu 25% Primärdampf eingespart werden.
Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit der Division Faserstoffaufbereitung konzentrierte sich auf die Optimierung der neuen Systeme zur Niedrigkonsistenz-Auflösung in der Altpapier-Aufbereitung. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Systemleistung und Verringerung des Energieverbrauchs geleistet.
Die Entwicklungstätigkeit der Division Refiner-Systeme betrifft „neue“ Faserarten wie Eukalyptus, Akazie, Birke, Ahorn und auch Einjahrespflanzen (Bagasse, Schilf, Kenaf) zur Erzeugung von Holzstoff. Dadurch wird eine nachhaltige Entwicklung in Ländern mit verschiedenen Holzarten oder geringen Holzbeständen gefördert. Die Entwicklungsarbeiten zur weiteren Reduzierung der Abwässer aus Anlagen zur Erzeugung mechanischer Faserstoffe und Faserplatten werden fortgesetzt. Ziel ist die Entwicklung von abwasserarmen Anlagen und Systemen zur Chemikalienrückgewinnung, um die Belastung des Abwassers so weit wie möglich zu reduzieren. Die Minimierung des Energieverbrauchs bleibt weiterhin der Schwerpunkt der Entwicklungstätigkeit für die MDF-Plattenerzeugung. Zusätzlich laufen Forschungsarbeiten zum Einsatz von Einjahrespflanzen anstelle von Holzhackschnitzeln und Holzabfällen zur Produktion hochwertiger Fasern.
Zentrales Thema der Entwicklungsarbeiten in der Division Papier-Veredelung waren Schuhwalzen für Anwendungen in der Zellstoff-, Papier- und Tissue-Produktion. Eine speziell für die Tissue-Erzeugung neu entwickelte Schuhwalze, die kleinste und schnellste auf dem Markt, wurde erfolgreich eingebaut und in Betrieb gesetzt. Die für die Kalander-Technologie durchgeführte Wertanalyse wurde abgeschlossen. Durch Modulbauweise wurden Kosten und Lieferzeit reduziert. Die Funktionalität hat sich gegenüber konventionellen Maschinen nicht verändert. Die neu entwickelte PrimeFeeder-Technologie sorgt für stabilere Bahneinführung und verkürzt nach einem Bahnabriss die Zeit bis zur Wiederherstellung der vollen Produktionsleistung.
Im Bereich Automation wurde ein neuer optischer Sensor (SpectraVision™) zur kontinuierlichen Messung der Fasereigenschaften eingeführt. Dieser Sensor ist wesentlich wartungsärmer und braucht nicht so häufig nachgeeicht zu werden wie andere vergleichbare Produkte. Für alle Prozessbereiche der Zellstoff- und Papier-Erzeugung wurden Advanced Process Control-Systeme für einen voll automatisierten Anlagenbetrieb entwickelt. Die Systeme basieren auf dem BrainWave®-Regler und dem Know-how der ANDRITZ-Technologen, das in der ACE™-Softwareplattform (ACE: Advanced Control Expert) gebündelt ist. Der IDEAS-Simulator für Schulungen wurde durch die neue Instructor™-Software ergänzt. Damit wird der Lern-Fortschritt des Bedienpersonals überwacht und ein Zertifizierungsverfahren für die Teilnehmer geschaffen.
Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit des Geschäftsbereichs METALS konzentrierte sich im Berichtsjahr auf neue Beschichtungstechnologien unter Anwendung elektrogalvanischer Verfahren und des CVD-Verfahrens (CVD: Chemical Vapor Deposition). Beide Prozesse konnten im Pilotmaßstab erfolgreich demonstriert werden.
Im Bereich Glüh- und Beiz-Linien für Edelstahlband wurde erstmalig ein neuer, patentierter Prozess realisiert, bei dem die überschüssige Wärme der Abgase des Glühofens in der katalytischen Entstickung (DeNOx) der Mischsäurebeize verwendet wird. Die beiden wesentlichen Vorteile des Prozesses sind eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs für den DeNOx-Prozess und die Reduzierung des Gehalts an Stickoxid im Abgas des Glühofens.
Bei der Verarbeitung von verzinktem Stahl in der Automobil-Industrie fallen jährlich weltweit mehr als 25 Millionen Tonnen Schrott an. Der Geschäftsbereich entwickelte ein Verfahren, welches das Zink aus dem Schrott zurückgewinnt. Der zinkfreie Schrott ist ein hochwertiges Produkt für die Gießerei-Industrie. Mit diesem Verfahren werden Rohstoffe eingespart und damit die Umwelt entlastet.
Für kontinuierliche Bandbehandlungsanlagen mit Inline-Walzgerüsten wurde ein Hochdruck-Vakuum-Bandreinigungssystem entwickelt, das sich im Vergleich zum konventionellen Design durch eine sehr kompakte und kostengünstige Bauweise auszeichnet. Weiters ist dieses System durch die Vermeidung von Chemikalien sehr umweltfreundlich.
In der Division Separation Technologies des Geschäftsbereichs ENVIRONMENT & PROCESS wurden die Programme zur Verbesserung der Leistung und/oder Reduzierung der Herstellungskosten von Zentrifugen intensiv weiter bearbeitet; zahlreiche neue Produkte mit verbessertem Preis-Leistungs-Verhältnis wurden erfolgreich am Markt eingeführt. Dadurch ist es ANDRITZ gelungen, auch in stark umkämpften Märkten die Marktanteile zu steigern. Großversuche zur Steigerung des Durchsatzes und Trockengehalts bei Zentrifugen zeigten vielversprechende Ergebnisse. Erfolgreiche Anwendungsversuche erweitern kontinuierlich den Einsatzbereich von ANDRITZ-Zentrifugen im Lebensmittelbereich. Für den Einsatz in der Bergbau-Industrie wurde eine schnell öffnende Filterpresse entwickelt und zum Patent angemeldet; nach erfolgreichen Dauerversuchen konnten bereits zwei Anlagen an Kunden in Südamerika und Europa verkauft werden.
Die Division Thermische Verfahren setzte die Entwicklungsarbeiten für ein zuverlässiges und umweltfreundliches System zur Reduktion von Geruchs- und TOC-Werten (TOC: Total Organic Carbon) von Schlammtrocknungsanlagen fort. Tests ausgewählter Technologien im Pilotmaßstab sind für Anfang 2009 geplant, um praktische Erkenntnisse über die Effizienz dieser Verfahren zu erhalten. Die 2007 begonnenen Entwicklungsarbeiten im Bereich Biomasse-Trocknung haben sehr rasch zum Erfolg geführt. Die neue Bandtrockner-Generation für Biomasse wurde im Berichtsjahr bereits in zwei Aufträgen umgesetzt. Ein weiteres Entwicklungsprogramm konzentriert sich auf die Wertsteigerung von Biomasse-Brennstoffen durch thermische Vorbehandlung (Torrefikation). Durch diese Behandlung soll die Biomasse höhere Energiedichte erhalten und unempfindlich gegen Feuchte gemacht werden. Die durch Torrefikation gewonnenen Pellets sind ein idealer Zusatzbrennstoff für Kraftwerke mit Kohlestaubfeuerungen. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hat für dieses Projekt Fördermittel genehmigt, die nun innerhalb eines Konsortiums, dem ANDRITZ angehört, für Forschung, Entwicklung und Pilotversuche eingesetzt werden. Die ANDRITZ-Entwicklungsschwerpunkte der Division Thermische Verfahren liegen dabei in der Biomassetrocknung, jene des Geschäftsbereichs FEED & BIOFUEL in der Mahlung und Pelletierung der torrefizierten Biomassefraktion nach dem Reaktor. Um der Nachfrage nach noch energieeffizienteren Trocknungssystemen nachzukommen, wurde eine Trocknungsanlage konzipiert, die aufgrund der energetischen Kopplung zweier ANDRITZ-Trocknungstechnologien einen besonders niedrigen thermischen Energieverbrauch aufweist. Die DoubleDry-Technologie besteht aus einem Fließbett-Trockner und einem Bandtrockner, die parallel mit Schlamm beschickt werden und Trockengranulat produzieren. Der große energetische Vorteil besteht in der Nutzung der Restwärme aus dem Fließbett-Trockner für die Bandtrocknung, d.h. die eingesetzte Primärenergie wird durch zweistufige Ausnutzung des Wärmeinhalts maximal umgesetzt.
Der Geschäftsbereich FEED & BIOFUEL hat für seine Anlagen eine neue Generation von Prozess-Steuerungen entwickelt, die zusätzlich zur Automatisierung auch die Rückverfolgbarkeit von Prozessen und Rohmaterialbestandteilen ermöglicht.
Für die Haustierfutter- und Fischfutter-Industrie wurde eine Lösung zur Kapazitätssteigerung mittelgroßer Extruder von 6 auf 10 t/h entwickelt und erfolgreich auf dem Markt eingeführt.
Der Geschäftsbereich FEED & BIOFUEL beteiligt sich, ebenso wie der Geschäftsbereich ENVIRONMENT & PROCESS, an dem Entwicklungsprogramm zur Wertsteigerung von Biomasse-Brennstoffen durch thermische Vorbehandlung (Torrefikation).

AUSBLICK

Die globale Finanzkrise hat zu einer spürbaren Verlangsamung der Weltwirtschaft geführt und betrifft sämtliche Bereiche und Branchen der Realwirtschaft. Angesichts der jüngsten Entwicklungen und der veröffentlichten Wirtschaftsdaten wird diese Wirtschaftskrise nach Meinung der Wirtschaftsexperten bis weit in das Jahr 2009 oder sogar noch ins Jahr 2010 anhalten.
Im Geschäftsbereich HYDRO wird für 2009 trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine unverändert gute Entwicklung der Projekttätigkeit erwartet. Viele Regierungen bzw. staatsnahe Organisationen setzen Investitionsprogramme im Bereich Infrastruktur und Energiewirtschaft um, um den Auswirkungen der globalen Wirtschaftsschwäche entgegenzuwirken. Die Investitionstätigkeit in Europa und Nordamerika wird sich weiter auf Modernisierung, Rehabilitation und Kapazitätssteigerung bestehender Anlagen konzentrieren. Durch das hohe durchschnittliche Alter der in diesen Regionen installierten Basis besteht hoher Bedarf an Ersatzinvestitionen. Die Projekttätigkeit bei Kleinwasserkraftwerken sowie bei Pumpspeicherkraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität sollte ebenfalls auf hohem Niveau bleiben.
In Südamerika und Asien befindet sich eine große Anzahl von neuen Wasserkraftwerksprojekten in der Entwicklungs- oder Realisierungsphase. Die wesentlichen Gründe dafür sind das rasche Wirtschaftswachstum dieser Regionen und die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energiequellen, um die steigende Nachfrage nach Strom abzudecken und das Weltklima zu schützen.
Im Geschäftsbereich PULP & PAPER wird für 2009 mit einer Fortsetzung der geringen Projektaktivität gerechnet, vor allem wegen der deutlich gesunkenen Zellstoff-Preise, Kapazitätsreduktionen in Zellstoff- und Papier-Fabriken in den USA und in Europa sowie aufgrund der Auswirkungen der internationalen Finanzkrise, die teilweise die Finanzierung von Projekten erschwert. Die Anzahl angekündigter Projekte für den Bau neuer Zellstoff-Fabriken – meist basierend auf bereits bestehenden Plantagen – und die Modernisierung bestehender Fabriken ist zwar solide, dennoch sind wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise Verzögerungen sowohl bei der Auftragsvergabe als auch bei der Abwicklung von zuletzt vergebenen Aufträgen zu erwarten. Damit ist es möglich, dass der Auftragseingang des Geschäftsbereichs im Jahr 2009 unter das Niveau des Jahres 2008 sinken wird.
Im Geschäftsbereich METALS wird 2009 sowohl für Kohlenstoffstahl- als auch für Edelstahl-Ausrüstungen mit einer im Vergleich zum außerordentlich hohen Niveau der Vorjahre niedrigeren Investitionstätigkeit gerechnet. Vor allem in China ist mit einem deutlichen Investitionsrückgang zu rechnen.
Im Geschäftsbereich ENVIRONMENT & PROCESS sollte sich die Projekttätigkeit bei Schlammentwässerungsanlagen trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zufriedenstellend entwickeln. Auch bei industriellen Anwendungen – etwa in den Bereichen Petrochemie, Lebensmittel und Landwirtschaft – wird eine solide Investitionstätigkeit erwartet. Im Gegensatz dazu wird die Projektaktivität bei Schlammtrocknungsanlagen für Kommunen weiterhin auf einem niedrigen Niveau verharren.
Im Geschäftsbereich FEED & BIOFUEL sollte sich der Bereich Tierfutter weiter zufriedenstellend entwickeln; gute Projektaktivität wird in Osteuropa, Russland sowie Zentral- und Südamerika erwartet. Auch in den Bereichen Fisch- und Haustierfuttererzeugung ist mit einer soliden Entwicklung der Projektaktivität zu rechnen. Die Investitionstätigkeit bei Holzpelletieranlagen sollte ebenso auf einem zufriedenstellenden Niveau bleiben.
Aufgrund des gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und der anhaltenden Unsicherheit, wie lange diese Finanz- und Wirtschaftskrise noch andauern wird, ist eine zuverlässige Prognose hinsichtlich der Auswirkungen auf das Geschäft der ANDRITZ-GRUPPE – vor allem in Bezug auf die Entwicklung des Auftragseingangs – sehr schwer möglich. Der Geschäftsbereich HYDRO sollte – wie auch die beiden anderen ANDRITZ-Geschäftsbereiche ENVIRONMENT & PROCESS sowie FEED & BIOFUEL – von der allgemeinen Wirtschaftslage vermutlich weniger betroffen sein und damit die negativen Auswirkungen von wahrscheinlichen Rückgängen beim Auftragseingang in den Bereichen PULP & PAPER sowie METALS doch mildern helfen.
Auf Basis dieser Rahmenbedingungen sowie der erwarteten Entwicklung der Projektaktivität in den einzelnen Geschäftsbereichen erwartet die ANDRITZ-GRUPPE für das Geschäftsjahr 2009 aus heutiger Sicht einen Rückgang des Umsatzes von ca. 15% sowie eine Verringerung des Konzernergebnisses im Vergleich zu 2008. Sollte sich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 weiter verschärfen bzw. auch im Jahr 2010 weiter andauern, so sind mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Umstrukturierungsaufwendungen notwendig, die die Ergebnisentwicklung 2009 beeinflussen werden.
Wichtige Ereignisse nach dem 31. Dezember 2008
Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat in der Zeit zwischen dem Bilanzstichtag und der Veröffentlichung dieses Berichts unverändert angedauert. Dieses negative makroökonomische Umfeld könnte sich zukünftig möglicherweise negativ auf die Geschäftsentwicklung der ANDRITZ-GRUPPE auswirken.
Graz, am 26. Februar 2009

Der Vorstand der ANDRITZ AG

Wolfgang Leitner Franz Hofmann Karl Hornhofer
Humbert Köfler Friedrich Papst

Disclaimer:
Bestimmte Aussagen in diesem Bericht sind „zukunftsgerichtete Aussagen“. Diese Aussagen, welche die Worte „glauben“, „beabsichtigen“, „erwarten“ und Begriffe ähnlicher Bedeutung enthalten, spiegeln die Ansichten und Erwartungen der Geschäftsleitung wider und unterliegen Risiken und Unsicherheiten, welche die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich beeinträchtigen können. Der Leser sollte daher nicht unangemessen auf diese zukunftsgerichteten Aussagen vertrauen. Die Gesellschaft ist nicht verpflichtet, das Ergebnis allfälliger Berichtigungen der hierin enthaltenen zukunftsgerichteten Aussagen zu veröffentlichen, außer dies ist nach anwendbarem Recht erforderlich.
 
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