200 Tonnen schwere Herausforderung

Die Modernisierung des Wasserkraftwerks Guri II in Venezuela – eines der größten der Welt – ist für ANDRITZ HYDRO sowohl technologisch als auch logistisch eine der größten Herausforderungen in der 170-jährigen Unternehmensgeschichte. Ende 2009 wurde das erste von insgesamt fünf neuen Francis-Turbinenläufrädern von Deutschland nach Venezuela geliefert. Mit einem Gewicht von jeweils 200 Tonnen und einem Durchmesser von 7,4 Metern sind dies die leistungsstärksten und größten Laufräder, die von ANDRITZ HYDRO jemals gefertigt wurden.
Der Kunde

Der staatliche venezolanische Energieversorger Electricidad del Caroní (EDELCA) betreibt drei große Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von rd. 15.500 MW und deckt 70% der Stromproduktion in Venezuela ab.

Das Projekt

Anlage:
Guri II – Central hidroeléctrica Simón Bolívar, Venezuela

Errichtet:
1963–1969, 1976–1986 (Erweiterung)

Kraftwerksleistung:
10.300 MW

Lieferumfang ANDRITZ HYDRO:
Modernisierung von fünf Francis-Turbinenlaufrädern bis 2013

Wasserkraft ist die bedeutendste erneuerbare Energiequelle

Ca. ein Fünftel der weltweiten Stromproduktion stammt aus erneuerbaren Energiequellen, davon kommen rund 90% aus Wasserkraft. Damit hat die Wasserkraft an der gesamten Stromproduktion einen Anteil von rd. 18% und ist die bei Weitem bedeutendste erneuerbare Energiequelle (Wind und Solar: 2%; Quelle: IHA/IEA).

Im Wasserkraftwerk Guri werden mehr als 50% des Energieverbrauchs der Republik Venezuela erzeugt

Die Modernisierung des Kraftwerks erschließt umweltschonend bisher ungenutzte Energiereserven und leistet einen wirkungsvollen Beitrag zur Verringerung der weltweiten Erwärmung sowie zum globalen Umweltschutz. Durch die Modernisierung wird die Leistung des Wasserkraftwerks um rd. 10% erhöht.

Mehr als die Hälfte des Strombedarfs Venezuelas wird durch das Wasserkraftwerk Guri (Gesamtleistung 10.300 MW) abgedeckt. Im Auftrag des venezolanischen Energieversorgers Electricidad del Caroní (EDELCA) modernisiert ANDRITZ HYDRO bis zum Jahr 2013 fünf Maschinen im Kraftwerksabschnitt Guri II und steigert damit deren Leistung um rd. 10%.

200 Personen aus acht Ländern bei Turbinen-Demontage

Zum Start des Projekts wurden alle Bauteile der Anlage demontiert und im Detail überprüft. Jene Teile, die wiederverwendet werden, wurden vor Ort gemeinsam mit lokalen Unternehmen rehabilitiert, zu ersetzende Teile wurden unter Einhaltung höchster internationaler Qualitätsstandards neu gefertigt. Mehr als 200 Personen aus acht Ländern waren alleine mit Demontage- und Rehabilitationsarbeiten auf der Baustelle beschäftigt.

Ebenfalls zu Beginn des Projekts musste die umfangreiche Projektdokumentation erstellt werden – sie umfasst aktuell mehr als 500 technische Zeichnungen und Dokumente jeweils in englischer und spanischer Sprache und ist Grundlage für das komplexe Genehmigungsverfahren.

Fertigung eines Giganten: 3,7 Meter hoch – 7,4 Meter Durchmesser –
200 Tonnen schwer

In Ravensburg, Deutschland, wurde 2009 das erste der insgesamt fünf neuen Turbinenlaufräder für Guri II im Dreischicht-Betrieb gefertigt – selbst für einen der weltweit führenden Fertigungsstandorte im Wasserkraftbereich eine immense Herausforderung. Aufgrund der außergewöhnlichen Dimensionen der Laufräder musste u.a. eine neue, extrem tragfähige Drehschwenkeinrichtung in Betrieb genommen werden, um die Turbinenlaufräder für die Schweißarbeiten optimal positionieren zu können. So kann das 200 Tonnen schwere Laufrad um seine Achse gedreht und gleichzeitig horizontal gekippt werden.

Produktion von Spitzenqualität bei gleichzeitiger Kosteneffizienz

Mit einem Hochleistungsschweißverfahren (Elektro-Schlacke-Schweißen) werden Laufradschaufeln mit Laufradnabe und -kranz verschweißt. Dieses hochqualitative Schweißverfahren ermöglicht extrem große Schweißvolumina bei gleichzeitiger Kosteneffizienz – für Guri II werden bei jedem Turbinenlaufrad ca. 4,5 Tonnen hochlegierter Schweißzusatz verarbeitet.

11.000 Kilometer weiter Transport von Deutschland nach Venezuela

Zwei Monate lang dauerte schließlich im Herbst 2009 der Transport des ersten gefertigten Turbinenlaufrads von Ravensburg zum Kraftwerk Guri II bei Puerto Ordaz. Wochenlang wurden die umfangreichen Zollformalitäten und die oftmals schwierigen Transport-Etappen vorbereitet:

  • Ein 32-achsiger, 1.400 PS starker Sattelschlepper transportiert das Laufrad in mehreren Nacht-Fahrten über eine festgelegte Schwerlastroute durch Süddeutschland; für einige Stunden muss eine Autobahn teilweise gesperrt werden.
  • Per Binnenlastschiff führt der Transport über Neckar und Rhein zum Hafen von Rotterdam, Niederlande.
  • Nach der Atlantik-Überquerung erfolgt der Transport mit einem Binnenlastschiff 350 Kilometer auf dem Orinoko flussaufwärts Richtung Guri-Stausee.
  • Für die finale Etappe zum Kraftwerk per Sattelschlepper müssen zwei Brücken verstärkt werden, um einen sicheren Weitertransport auf der Straße zu gewährleisten.








Mit dem Transport auf einem 32-achsigen Sattelschlepper begann die zweimonatige Reise des Turbinenlaufrads von Deuschland nach Venezuela.

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